Mittwoch, 22. Mai 2013

Hörsaal /

Sprachen im Abseits I Die letzten ihrer Art  

Birgit Alber stellt die Minderheitensprachen Zimbrisch und Felsentalerisch vor

Ein Dorf, daneben ein Teil der deutschen Nationalflagge, die sich darüber legt.
Zimbrisch ist eine Minderheitensprache, verwandt mit dem Deutschen, die heute nur noch von wenigen gesprochen wird. (Chrissie Salz)

Laut Unesco ist mehr als die Hälfte der weltweit über 6000 gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht. 200 Sprachen sind während der letzten drei Generationen bereits verschwunden. Mit jeder ausgestorbenen Sprache geht nicht allein ein Wortschatz, eine Grammatik, ein Kommunikationssystem verloren. Sprache ist ein Kulturgut, ist Heimat und Identität, spiegelt Geschichte und Weltanschauung.

Auch in Europa gibt es zahlreiche gefährdete Sprachen. Die Europäische Union zählt über 60 Regional- und Minderheitensprachgemeinschaften auf ihrem Gebiet. Um sie zu schützen, hat der Europarat die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen ins Leben gerufen, die seit 1998 in Kraft ist, allerdings bis heute erst von 25 Staaten unterzeichnet wurde.

Vom Aussterben bedroht

Italien hat diese Charta zwar unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert. Im Norden des Landes, in Südtirol, sind das Zimbrisch und Fersentalerisch zu Hause, zwei dem Deutschen verwandte Sprachen. Beide sind als Minderheitensprachen anerkannt. Zimbrisch und Fersentalerisch werden Schätzungen zu Folge jeweils von etwa 1000 bis 2000 Menschen gesprochen. Genaue Zahlen lassen sich schwer ermitteln, aber die Tendenz ist klar: abnehmend.

Sprachliche und kulturelle Vielfalt

Das Institut für Romanistik der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat im Sommersemester 2012 eine Ringvorlesung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt Europas unter dem Titel "Sprachen im Abseits" gewidmet. Über das Zimbrisch und Fersentalerisch sprach Birgit Alber. Sie ist Junior-Professorin für Deutsch an der Fakultät für Sprachen und Literatur der Universität Verona. Aufgezeichnet wurde ihr Vortrag "Die deutschen Sprachinseln der Zimbern und Fersentaler in Norditalien" am 27. Juni 2012.

Dieser Hörsaal wurde ursprünglich am 11.09.2012 gesendet.



Weitere Vorträge in dieser Reihe:

Sprachen im Abseits II
Anmerkungen zur aktuellen Situation der Sorben
Vortrag von Timo Meškank

Sprachen im Abseits III
Baskisch - die exotischste Sprache Europas
Vortrag von Martin Haase

Mehr bei DRadio Wissen:

Linguistik: Ein Sprachen-Biotop namens Manhattan
Katrin Ohlendorf über New Yorker Sprachforscher, die nach aussterbenden Sprachen suchen
(Kultur vom 28.01.2011)

Dialekte: Kalter Krieg der Mundarten
Veronika Laggerbauer über die deutsche Grenzziehung die Sprachlandschaft
(Kultur vom 18.08.2010)

Weitere Informationen:

Gesellschaft für bedrohte Sprachen e.V.
(uni-koeln.de)

Neuer Weltatlas zu bedrohten Sprachen online
(unesco.de vom März 2009)

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