Sprachen im Abseits II Gegen das Verschwinden
Timo Meškank über die Sorben, das Sorbische und den fortschreitenden Niedergang der Sprache
Die Sorben sind eine von vier anerkannten nationalen Minderheiten in Deutschland. Über die Jahrhunderte wurde ihre Kultur und Sprache zurückgedrängt, so dass viele Sorben heute nicht einmal mehr Sorbisch sprechen.
Die Geschichte der Sorben reicht bis in das 7. Jahrhundert zurück. Ihre slawischen Vorfahren kamen in der Zeit der großen Völkerwanderung in den Westen. Vom früheren sorbischen Sprachgebiet, dass sich zwischen Elbe und Oder, Ostsee und Erzgebirge erstreckte, ist heute nur noch eine kleine Region in der Ober- und Niederlausitz übrig.
Rückgang trotz Minderheitenschutz
Über die Jahrhunderte wurden die sorbische Sprache und Kultur immer mehr zurückgedrängt, sei es durch Dominanz des Deutschen oder phasenweise durch gezielte Diskriminierung und Unterdrückung. Heute genießen die Sorben und Wenden, wie die Niedersorben auch genannt werden, als Minderheit zwar besondere Rechte, lehren ihre Sprache auch in der Schule und betreiben sorbische Medien- und Kultureinrichtungen, das Sorbische ist aber weiterhin auf dem Rückzug.
Situation der Sorben in der DDR
Timo Meškank lehrt Geschichte und Ost- und Südosteuropawissenschaften in Prag, Leipzig und in Berlin, unter anderem lehrt er als Privatdozent die nieder- und obersorbische Sprache und Sprachpraxis am Institut für Sorabistik der Universität Leipzig. Am 13. Juni 2012 hat Meškank, übrigens selbst Sorbe, im Rahmen der Ringvorlesung "Sprachen im Abseits" des Instituts für Romanistik der Friedrich-Schiller-Universität Jena einen Vortrag über die Sorben gehalten. In seinen "Anmerkungen zur aktuellen Situation der Sorben" spricht er nicht nur über deren Sprache, Kultur und Geschichte, sondern geht insbesondere auch auf ihre Situation während der DDR-Zeit ein.
Dieser Hörsaal wurde ursprünglich am 12.09.2012 gesendet.