Mittwoch, 22. Mai 2013

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Stadien Teurer Klotz am Bein  

Millionen Euro teure Stadienbauten, die sich nach dem großen Event als nahezu nutzlos erweisen.

Das Nationalstadion in Warschau - in einer Aufnahme vom 19. Mai 2011.
Das Nationalstadion in Warschau. Sechs Spiele der EM 2012 werden hier stattfinden: das Eröffnungsspiel, drei Gruppenspiele, ein Viertel- und ein Halbfinale. (picture alliance / dpa)

Olympische Spiele, Fußball-Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft: Die Liste der sportlichen Großereignisse ist lang - und ebenso lang ist die Liste der Stadien, die dafür gebaut werden. Gigantomanie im Stadionbau ist weit verbreitet. Nach dem Ereignis stehen viele dieser Prestigeobjekte aber leer. Langfristige Nutzung? Fehlanzeige. Von Geisterstadien und modularen Konzepten: das Millionengeschäft mit dem Stadionbau.

Rund 325 Millionen Euro hat das Vogelnest genannte Nationalstadion in Peking gekostet. Es war der Eröffnungsort der Olympischen Sommerspiele 2008. 91.000 Zuschauer fanden darin Platz. Nach seiner Wirtschaftlichkeit wurde es nie bemessen. Heute steht das hochmoderne Stadion leer.

"Weiße Elefanten" nennt man solche Großprojekte und technische Entwicklungen, die ihren Anspruch und ihre Zukunftsvision nicht einlösen können. Überdimensionierte Stadien sind zu groß für lokale Sportereignisse. Sie spielen kein Geld ein, kosten aber laufend Unterhalt.

Entwurf des Nationalstadions Warschau Entwurf des Nationalstadions Warschau (gmp )

 

Stadien als Statussymbol
Der Architekt Volkwin Marg zur Symbolik von Stadien und Sportarenen      

Das Nationalstadion Warschau (Innenansicht)55.000 Sitzplätze: Das Nationalstadion Warschau (gmp Architekten/ Marcus Bredt)"Mit zeitgenössischen  Fußballstadien verbinden sich Selbstdarstellungsansprüche. Entweder der Vereine oder der Städte, ganzer Nationen oder ganzer Erdteile." Das sagt der Architekt Volkwin Marg, der mit seinem Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner an Stadionprojekten beteiligt ist. Für die Fußball-Europameisterschaft 2012 baute sein Büro etwa das Nationalstadion Warschau, in dem das Eröffnungsspiel stattfinden wird. Unverkennbares Erkennungsmerkmal: eine Fassade in den polnischen Nationalfarben Rot und Weiß, die auch nachts beleuchtet wird.

 

Weiße Elefanten in Deutschland
Der Journalist Stefan Osterhaus über Sportbausünden

Fußballstadion in AbenddämmerungDie Red Bull Arena Leipzig bei einem Pokalspiel 2011. (picture alliance / dpa)"Weiße Elefanten" - diesen Begriff kennt man auch im Englischen. Der "White Elephant" bezeichnet eine Sache, mit der man mehr Ärger hat, als dass sie nützlich ist. In diese Kategorie fällt auch das Leipziger Fußballstadion: Seit der Fußball-WM 2006 findet dort höchstens alle zwei Wochen ein Spiel statt. Geld kostet der Unterhalt des leeren Stadions trotzdem.

In Südafrika gehen die Meinungen darüber auseinander, ob die für die WM 2010 gebauten Stadien weiße Elefanten sind oder nicht. Das Vogelnest in Peking, das die Architekten Herzog & de Meuron für die olympischen Spiele in China gebaut hatten, sollte von Anfang an ein Prestigebau sein. Nun könnte auch das Nationalstadion in Warschau, das für die anstehende EM gebaut wurde, sich als "Weißer Elefant" entpuppen, denn bisher will kein Fußballclub das Stadion nach dem Turnier nutzen.

 

Millionengeschäft Stadionbau
Ein Gespräch mit dem Ökonomen und Planer von Großveranstaltungen, Stefan Klos

Feuerwerk bei der Abschlussfeier der Olympischen Sommerspiele in Peking 2008Letztes Feuerwerk: Abschlussfeier der Olympischen Sommerspiele, Peking 2008 (picture alliance / dpa)Für Olympische Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften werden zweistellige Milliardenbeträge verbaut. Geld wird investiert in Sportstätten, die Infrastruktur und Hotels. Aber wie sollen die riesigen Stadien nach dem Großereignis bespielt werden? Die Folgekosten werden oft vergessen, denn kein Land hat eine Fußballliga mit so vielen Fans, die nach einer Weltmeisterschaft all die Ränge füllen könnten. Trotzdem sind die politisch Verantwortlichen schnell bereit, riesige Summen für den Bau großer Stadien auszugeben.

Der Erhalt der Sportstätten kostet jedes Jahr Millionen, und die lassen sich nur in seltenen Fällen aus den laufenden Einnahmen gewinnen. Also müssen die kommunalen Haushalte Gelder zuschießen. Schon vor dem Baubeginn müsste der langfristige Bedarf bedacht werden. Denn die Nachnutzung ist die eigentliche Hauptnutzung.

 

Mehr Flexibilität: Das Lego-Prinzip
Stadionbau-Experte Bernd Helmstadt erklärt, wie modulares Bauen funktioniert.

Skizze des temporären Stadions in KatarSkizze des temporären Stadions in Katar für die Fifa-WM 2022 (Nüssli/ www.nussli.com)Bauen für die Ewigkeit - das war gestern. Nicht jedes Stadion muss für immer an seinem Platz bleiben. Stattdessen sind flexible Lösungen gefragt. Für die Fußball-WM 2022 in Katar entwirft man Stadien, die anderenorts weiterverwendet werden können. Modulares Bauen macht das möglich.

Das Stadion wird dabei aus kleineren Einzelstücken zusammengesetzt. "In etwa so, wie bei einem Lego-Baukasten", sagt Bernd Helmstadt, Stadionbau-Experte bei der Firma Nüssli. Wie die einzelnen Module später weiter verwendet werden und wann sich ein Stadion-Rückbau lohnt, erklärt er im Gespräch.

 

Stadionbau im Zeitraffer



Mehr bei DRadio Wissen:

Südafrika: Verwaistes Fußballstadion
Die Vuvuzelas sind verstummt: Nach dem Ende der WM ist es ruhig geworden im Cape Town Stadium.
(Globus vom 21.09.2010)

Der Panik voraus: Sicherheit im Stadion
Forscher aus Bonn und Jülich beobachten das Verhalten der Fans, um es berechenbar zu machen.
(Natur vom 15.06.2010)

Mein Studium: Architektur
Wir stellen den Studiengang vor
(Mein Studium vom 21.10.2010)

 

Mehr zum Thema:

Mobile Stadien
In Düsseldorf wird ein mobiles Fußballstadion errichtet - ein Vorbild für den WM-Standort Katar?
(dradio.de vom 19.02.2011)

Fußball-EM auf Kosten der sozial Schwachen?
(br.de vom 24.05.2012)

Uefa Euro 2012: Die Gastgeber
(de.uefa.com)

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