Stadtplanung Gentrifizierung auf Türkisch
Luise Sammann berichtet aus dem Sanierungsgebiet Tarlabasi.
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- Hausfront im Stadteil Tarlabasi in Istanbul. Das Viertel ist massiv von Gentrifizierung betroffen. (Screenshot Vimeo Video David Smith in Tarlabasi, Istanbul. On urbanisation & slums)
Die Modernisierung der Metropole geht nicht nur auf Kosten ihrer Bewohner, unter der Kommerzialisierung der Stadt leidet auch vor allem die historische Substanz - trotz des Status als Welterbe. Es wird immer offensichtlicher, dass Großinvestoren Istanbul für sich entdeckt haben.
Istanbul putzt sich heraus – und das nicht erst, seit es zur Kulturhauptstadt 2010 ernannt wurde. Bulldozer reißen ganze Stadtteile ab, die dann mit viel Stahl und Beton wieder aufgebaut werden.
Gentrifizierung
Die alten Bewohner können sich die neuen Mieten meist nicht mehr leisten und werden in weniger attraktive Bezirke verdrängt. Gentrifizierung heißt dieses Phänomen, das auch Berlin, Hamburg, Köln trifft. Dieses Schicksal droht jetzt auch dem größtem innerstädtischen Sanierungsgebiet Tarlabasi.
Unterkunft vieler Mittelloser
Das Viertel liegt unterhalb des zentralen Taksim-Platzes und ist von dem beliebtesten Kultur- und Amüsierbezirk der Metropole nur durch eine vierspurige Autoschneise abgetrennt. Tarlabasi ist ein armes Viertel. Viele Menschen, die der Sanierungswut in anderen Stadtteilen weichen mussten, sind hier gelandet.
Mehrheit Kurden
Heute sind die Mehrzahl der Bewohner Kurden. Nach der Vertreibung der Griechen in den 50er Jahren sind sie nach und nach aus dem Südosten des Landes nach Istanbul eingewandert, in den verfallenden Häusern von Tarlabasi haben sie bezahlbare Unterkünfte gefunden.
Drohung mit Enteignung
Nun fürchten sie, vertrieben zu werden, die Stadt hat mit Enteignung gedroht. Rechtsgrundlage für solche Verstaatlichungsaktionen ist das türkische Gesetz 5366. Von Sicherungsmaßnahmen gegen Erdbeben ist darin die Rede und vom Schutz historischen Erbes. Klagen waren bislang wenig erfolgreich, eine Gruppe aus Tarlabasi hat deshalb sogar den Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg angerufen.