Syrien Propaganda statt Grammatik
Eine Reportage von Nail Al Saidi
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- Demonstration in Damaskus für den syrischen Präsidenten Assad. Das Regime inszeniert solche Demonstrationen um die Assad-Treue des Volkes zu demonstrieren. (Youssef Badawi / picture alliance / dpa)
Studieren im syrischen Revolutionschaos: Der Journalist Nail Al Saidi hat 15 Monate lang in Damaskus Arabisch gelernt.
Im Sommer 2010 ist Nail Al Saidi nach Syrien gegangen – mit der Absicht dort Arabisch zu lernen. Dann hat sich die Lage in dem Land so verschärft, dass er lernen musste, in einer Revolte zu überleben. Auf dem Weg zur Universität erlebte er immer wieder, wie Demonstranten skandierten: "Nur Gott, Syrien und Baschar!" Ein weiterer Schlachtruf lautete: "Baschar al Assad hat keine Angst!" Für den Beweis ihrer Liebe zu Baschar al Assad bekamen die Protestierenden sogar schulfrei.
Politische Propaganda im Sprachunterricht
In der Sprachschule erwartete die Schüler politische Propaganda: Die Sprachlehrerin - eine Angestellte des Bildungsministeriums - erklärte, die Menschen, die gegen Baschar al Assad demonstrierten, würden Geld dafür bekommen. In Wirklichkeit gebe es gar keine Revolution, es handele sich um eine Verschwörung gegen Syrien.
Harmlose Bilder von Assad
Aktuelle Politik kam im Klassenzimmer nur in Form von Propaganda vor. Als schon etliche Demonstranten auf syrischen Straße erschossen wurden, teilte ein Lehrer Zeitungsartikel aus: Wie der Präsident sich mit anderen Staatsmännern traf oder wie er zum Jahrestag der Kuwaitischen Unabhängigkeit an den Golf jettete.
Am Ende blieb den westlichen Sprachschülern nichts anderes übrig, als das Land zu verlassen: Wegen des Wirtschaftsembargos gegen Syrien wurden die westlichen Kreditkarten gesperrt. Die Studenten konnten kein Geld mehr ziehen.
Am 18.11.2011 sendet DRadio Wissen eine Thementag zu Syrien. Die Übersichtsseite finden Sie hier.