Taxonomie Jede Art braucht einen Namen
Der Wissenschaftsjournalist und Biologe Lars Westermann über die Regeln bei der Benennung neu entdeckter Arten.
-
- Die Bill-Gates-Fliege trägt den wissenschaftlichen Namen: Eristalis gatesi. (US Department of Agriculture, The Diptera Site | gemeinfrei)
Otacilia loriot oder Bursina borisbeckeri - immer wieder tauchen Tiere und Pflanzen mit prominenten Namen auf. Bei der Benennung neuer Arten haben Biologen erstaunlich viele Freiheiten - wenn sie sich an ein paar uralte Regeln halten. Über all dem schwebt eine der strengsten Schiedsrichterkommissionen der Welt.
Wer eine neue Art entdeckt, der darf sie benennen - die Möglichkeit also, der Liebsten eine große Freude zu bereiten oder einem Gönner zu danken. Es hat in der Vergangenheit allerdings schon üble Beleidigungen gegeben. Die wurden von den Betroffenen aber nicht immer als solche erkannt.
Wir sind alle ein bisschen Linné
Wie erkennt man eine neue Art? In Naturkundemuseen sind Belegexemplare hinterlegt, die den Typ einer Art festlegen. Für die Art Homo sapiens sind das beispielsweise die Gebeine des schwedischen Naturforschers und Systematikers Carl von Linné. Er steht stellvertretend für unsere ganze Spezies. Belegexemplare sind wichtig, da sich verschiedene Arten sehr ähnlich sein können.
Erst die Gattung, dann die Art
Handelt es sich bei der Entdeckung einer Pflanze oder eines Tieres tatsächlich um eine neue Art, muss diese erst einer Gattung zugeordnet werden. Die Gattung ist dabei quasi der "Vorname", etwa "Homo". Diesen Namen darf aussuchen, wer zuerst eine neue Gattung beschreibt. Der zweite Teil des Namens kennzeichnet die Art, beim Menschen also "sapiens".
Grammatische Regeln
Ein paar grammatikalische Regeln müssen eingehalten werden. Vorgeschrieben sind beispielsweise die lateinische Genitivendung, wenn es sich um Personen handelt (-ae bei Frauen, -i bei Männern).