Samstag, 18. Mai 2013

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Technikgeschichten Kraftvolle Helferlein

Eine Reihe von Stephan Beuting in Zusammenarbeit mit dem Projekt Energieroute der Museen

Ein kleiner schwarzer Kasten mit einem Henkel an der Oberseite steht neben einem Bügeleisen von 1914. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der sog. Plättzähler dafür benutzt, gesondert billigeren Strom für das elektrische Bügeleisen zu zählen und abzurechnen. Ausstellungsexponate des Museums für Energiegeschichte(n), Hannover.
Kleine Erfindung - große Wirkung: Der Plättstromzähler kurbelte Anfang des 20. Jahrhunderts den Stromverbrauch an. (Museum für Energiegeschichte(n), Hannover)

Mit dem Transrapid in zehn Minuten vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen - diese Vision von Edmund Stoiber hat sich nicht erfüllt. Auch der Kugelhaufenreaktor kam in Deutschland nicht über die Testphase hinaus. Der Handstaubsauger dagegen ist aus unserem Alltag heute nicht mehr wegzudenken.

Oft sind es die kleinen Erfindungen, die unser Leben verändern - während groß angelegte Forschungsprojekte scheitern. Zum Abschluss des Wissenschaftsjahres 2010 - Die Zukunft der Energie sendet DRadio Wissen interessante Geschichten über große, kleine und kuriose Erfindungen.


1: Mixtrautonium

Mixtur_Trautonium.gif (CC/MatthiasKabel)Eigentlich sollte der Ingenieur Friedrich Trautwein den ersten deutschen Rundfunksender aufbauen, erfunden hat er das Trautonium. Das Instrument war eine Mischung aus Streich- und Schlaginstrumenten wie Geige und Klavier. Trautwein legte damit für analog-synthetische Klangerzeugung und ebnete den Weg für den Synthesizer.

 

2: Transrapid

Ausgemusterter Original-Transrapid 07 als Info-Center im Flughafen München II.Ausgemusterter Original-Transrapid 07 als Info-Center im Flughafen München II. (bahn/flickr/by-nc-nd)Fliegen auf Schienen mit bis zu 500 Kilometern in der Stunde - mit dem Transrapid kein Problem. In Deutschland blieb die Magnetschwebebahn eine Vision, hier steht der Transrapid heute im Museum. In China verbindet er die Messe Shanghai mit dem Flughafen. Die Grundlagen dafür legte der deutsche Ingenieur Hermann Kemper schon in den 1930er Jahren.

 

3: Kugelhaufenreaktor

Graphitkugel für HochtemperaturreaktorGraphitkugel für Hochtemperaturreaktor (cc/Saibo)Der Kugelhaufenreaktor THTR-300 sollte sicherer sein als andere Atomreaktor-Typen. Durch sein spezielles Funktionsprinzip war eine Kernschmelze quasi ausgeschlossen. Doch schon kurz nach der Inbetriebnahme des ersten Prototyps wurden in der Umgebung erhöhte radioaktive Werte gemessen. Ein paar Jahre später wurde der Reaktor ganz abgeschaltet.

 

4: Teilchenbeschleuniger

Ansicht des 6MeV Betatron von Konrad Grund, Konstruktionsbeginn 1942. Das Betatron - auch "Elektronenschleuder" genannt - ist ein für leichte geladene Teilchen wie Elektronen oder Positronen geeigneter Kreisbeschleuniger.6MeV Betatron von Konrad Grund, Konstruktionsbeginn 1942 (cc/Journey234)Was die Welt im Innersten zusammenhält - diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon seit Jahrhunderten. Um den Aufbau von Atomen zu erforschen, wurden seit den 40er-Jahren Teilchenbeschleuniger eingesetzt. Der bislang größte und teuerste Teilchenbeschleuniger ist der Large Hadron Collider bei Genf.

 


5: Dauerwellengerät

Schwarz-weiß-Aufnahme einer Frau, deren Haare um dünne Metall-Stifte gewickelt sind, die wie Antennen in alle Richtungen von ihrem Kopf abstehen.Dauerwellenherstellung, 1934 (cc/Louis Calvete)Brandblasen am Ohr oder elektrische Schläge: In den 1920er Jahren waren Dauerwellengeräte nicht ganz ungefährlich, denn die Lockenwickler wurden mit Strom erhitzt. Das änderte sich mit der Erfindung der Kaltwelle um 1940 - dank geeigneter Chemikalien funktionierte die künstliche Krause jetzt schon bei Zimmertemperatur.

 

6: Elektrisiermaschine

Kupferstich der Elektrisiermaschine von Guericke. Quelle: Guericke, 1672; Sondersammlung des Deutschen MuseumsElektrisiermaschine von Guericke, Kupferstich, 1672 (Museum für Energiegeschichte(n), Hannover )Otto von Guericke baute 1663 die erste Elektrisiermaschine. Damit gab er nicht nur den Startschuss für die Erforschung der Elektrizität - er bereicherte auch die Jahrmärkte um eine neue Attraktion: Im 18. Jahrhundert konnten sich Jahrmarkt-Besucher von einer elektrisch aufgeladenen Dame einen Kuss abholen - und damit einen elektrischen Schlag.

 


7: Swarm

Computer-Entwurf eines busähnlichen Transportmittels.Der öffentliche Nahverkehr der Zukunft? Modell aus der SWARM-Studie. (Hagen Täuscher / Robert Reinke.)Mobilität ist eine Grundvoraussetzung der modernen Welt - gleichzeitug belasten Autos mit Verbrennungsmotor die CO2-Bilanz. Die Designstudie SWARM versucht deshalb, Alternativen aufzuzeigen: Elektro-Stadtbusse dienen als Leitfahrzeuge, an die sich privat genutzte Kleinfahrzeuge per Sharingsystem ankoppeln können. Die Fahrzeuge versorgen sich während der Fahrt entlang der Routen induktiv mit Strom.

 

8: Höhensonne

In Berlin Wedding befindet sich ein städtisches Höhensonnen-Institut zur Bestrahlung bedürftiger Grosstadtkinder.Mit Schutzbrillen vor den Augen werden die Grosstadtkinder den heilenden Strahlen der Höhensonne ausgesetzt.(Historische Originalbeschreibung)Grosstadtkinder unter der heilenden Höhensonne, September 1930 (Historische Originalbeschreibung) (Bundesarchiv, Bild 102-10454 / Unknown / CC-BY-SA)Erkältung, Akne, Rachitis - gegen all das sollten Lampen helfen, die ultraviolettes Licht ausstrahlen. Anfang des 20. Jahrhunderts waren diese Lampen der letzte Schrei. Einer der Hersteller taufte sie auf den Namen "Höhensonne", weil in großen Höhen der Ultraviolettanteil des Sonnenlichtes besonders wirksam ist. Erst in den 1980er Jahren wurden die schädlichen Nebenwirkungen von ultraviolettem Licht bekannt.



9: Kobold

Der Kobold-VK-115-Staubsauger aus dem Jahr 1961Der Kobold VK 115 von 1961 (Vorwerk & Co. KG, Archiv )Den ersten Handstaubsauger erfand Anfang des 20. Jahrhunderts der US-Amerikaner James M. Spangler. In Deutschland stellte der Teppichfabrikant Vorwerk ab 1930 für seine Auslegware auch gleich das passende Reinigungsgerät her: Das Design des ersten "Kobold"-Staubsaugers war auf das Nötigste beschränkt. Doch bald entwickelte sich der Sauger zum Multi-Funktionsgerät, mit dem man sogar Haare trocknen konnte


10: Plättstromzähler

Ein kleiner schwarzer Kasten mit einem Henkel an der Oberseite steht neben einem Bügeleisen von 1914. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der sog. Plättzähler dafür benutzt, gesondert billigeren Strom für das elektrische Bügeleisen zu zählen und abzurechnen. Ausstellungsexponate des Museums für Energiegeschichte(n), Hannover.Plättzähler, Stromverbrauch um 1914, Exponate im Museum für Energiegeschichte(n), Hannover (Museum für Energiegeschichte(n), Hannover)Ein schwarzer Kasten, etwa so groß wie eine Keksdose: Der Plättstromzähler brachte zunächst billigen Strom für elektrische Bügeleisen. Doch bald schon wurden auch elektrische Pfannen oder Herdplatten in den Plättstromzähler gestöpselt. Der Stromverbrauch stieg deutlich an - und mit ihm auch die Einnahmen der Stromanbieter.



Weiterführende Information

Kraftvolle Helferlein ist eine zehnteilige Reihe bei DRadio Wissen in Zusammenarbeit mit dem Projekt Energieroute der Museen. Unser Autor Stephan Beuting erzählt im DRadio Wissen Blog, wie die Reihe entstand.

Logo Energieroute der Museen Energieroute der Museen (Energieroute der Museen)

Die Energieroute der Museen ist das Projekt der Leibniz-Gemeinschaft im Wissenschaftsjahr 2010 – Die Zukunft der Energie. An ihr beteiligen sich die acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft sowie elf weitere Partnermuseen mit Aktionen und Veranstaltungen rund um das Thema Energie. Mehr Informationen auf der Website der Energieroute der Museen.

 

Mehr bei DRadio Wissen:

Sammlung von Beiträgen zur Zukunft der Energie

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