Tiefsee Wettrennen um Rohstoffdepots
Gespräche mit Helmut Türk, Vizepräsident des Internationalen Seegerichtshofs, der Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich, dem Geophysiker Christian Reichert, der Tiefseeforscherin Antje Boetius
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- Tiefseefische sind an nahezu vollständige Dunkelheit gewöhnt. (Citron | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0)
China hat aufgeholt im Wettrennen um die Rohstoffe auf dem Meeresboden. Am 26. Juli 2011 erreichte ein bemanntes chinesisches U-Boot im Pazifik eine Tiefe von über 5000 Metern. Per Metallgreifer wurde symbolisch eine chinesische Flagge ins Wasser gehalten.
Mit der Tauchfahrt der "Jialong" – benannt nach einem mythischen Seedrachen – schloss China in Bezug auf die Erkundung der Tiefsee an Japan, die USA, Frankreich sowie Russland an. Sie alle haben per U-Boot Menschen in Tiefen von über 3500 Metern gebracht.
Der Wunsch nach Hightech-Tauchbooten liegt auf der Hand: Die Staaten vermuten auf dem Meeresboden große Rohstoff-Lagerstätten. Öl- und Gasvorräte werden schon länger gefördert, wenn auch bislang in weniger tiefen Gewässern. Wirtschaftlich interessant sind auch Manganknollen, die sogenannten Trüffel des Meeresbodens. Sie werden in der Stahlproduktion eingesetzt. Auch Seltene Erden, Kupfer, Nickel oder Kobalt sollen auf dem Meeresboden lagern.
Steigende Rohstoffpreise machen die Tiefsee lukrativ
Es gibt Quallen-Arten, die in einer Tiefe bis zu 7.000 Metern leben. (Stock.XCHNG / Zando Escultura)
Bislang hat der Abbau im großen Stil noch nicht begonnen. Auch weil die technischen Anforderungen enorm sind, ebenso die Kosten. Doch wenn die Rohstoffe an Land knapper werden, wird der Abbau in der Tiefsee lukrativ. Auch wenn das eine Bedrohung für den Lebensraum Tiefsee bedeuten würde. Die Ölkatastrophe der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko hat die Gefahren deutlich gemacht, und dort wurde Öl in "nur" 1500 Metern Tiefe gefördert.
Neben den Umweltschäden droht eine weitere Gefahr: ein Streit um die Rohstoffe. Über die internationalen Seegewässer wacht unter anderem das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen. Doch der UN fehlen die Instrumente, um Länder an das Abkommen zu binden. Der aktuelle Konflikt um das Südchinesische Meer macht die Risiken deutlich: Dort herrscht zurzeit ein Säbelrasseln zwischen China und anderen Anrainerstaaten wie Vietnam oder Thailand.
Das Gesetz der Tiefe
Ein Gespräch mit Helmut Türk, Vize-Präsident des Internationalen Seegerichtshofs Hamburg
Am Schlammvulkan Hakon Mosby vor Spitzbergen nimmt das Tiefseetauchboot "Victor 6000" Proben. (AWI)Die Tiefsee ist als potentielles Abbaugebiet von wirtschaftlichem Interesse. In tausenden Metern Tiefe lagern wertvolle Rohstoffe, wie zum Beispiel seltene Metalle. Sie werden in Schlüssel-technologien wie der Automobilbranche eingesetzt. Das Interesse der Industrie-Nationen an den Rohstoffen ist deshalb groß. Vorwiegend liegen die für den Tiefseebergbau interessanten Rohstoffe in Meeresregionen, die keinem Staat zuzuordnen sind.
Ein juristisches Niemandsland? Sicherlich nicht. Es gibt Instanzen wie den Internationalen Seegerichtshof sowie Gesetze, um die Erkundungen und den Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee zu regeln. Helmut Türk, Vizepräsident des Internationalen Seegerichtshofs in Hamburg, erläutert uns die Gesetze der Tiefe.
Tiefsee: unbekannter Lebensraum
Ein Gespräch mit der Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich
Unterseeboot "Alvin" (MPI-MM)In der Tiefsee herrschen extreme Lebensbedingungen: hoher Druck, kein Licht und enorme Kälte. Trotzdem gibt es dort Leben. Die Tiere nutzen andere Energieqellen als die Sonne, zum Beispiel im Umfeld von Hydrothermalquellen.
Aristoteles hielt den Meeresboden noch für unbewohnt. Ein Irrtum, der lange anhielt. Doch seit dem Ende des 19. Jahrhunderts weiß die Forschung mehr. Einige Forscher haben sogar die Theorie aufgestellt, dass der Ursprung des Lebens auf der Erde in der Tiefsee liege. Bis heute jedoch stellt die Erforschung der Tiefsee die Wissenschaft vor Probleme. Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich erläutert den unbekannten Lebensraum und skizziert den Stand der Tiefsee-Forschung.
Was kostet die Tiefsee?
Das Wirtschaftsgespräch mit dem Geophysiker Christian Reichert
Geologen hoffen auf reiche Beute aus abgestorbenen Tiefseeschloten. (neptuneminerals.com)Wirtschaftsunternehmen sehen in der Tiefsee eine reichgefüllte Schatzkammer. Allerdings liegt sie unter Milliarden Kubikmetern Ozeanwasser. Die wirtschaftliche Erschließung der Tiefsee ist ein langfristiges Projekt: Zunächst müssen Milliarden investiert werden, um Gewinne zu erwirtschaften. Ein Run auf die Bodenschätze der Tiefsee hat mit Ausnahme von Erdöl noch nicht eingesetzt, aber die Konzerne und Länder stehen in den Startlöchern: Gebiete werden erforscht, Proben genommen und Vorkommen berechnet.
Interessant sind Manganknollen, sie sollen mithilfe von unbemannten und ferngesteuerten U-Booten abgegrast werden. Auch Seltene Erden sollen, so japanische Forscher, in Unmengen in der Tiefsee lagern. Die Metalle werden in vielen elektronischen Geräten verbaut: Lithium zum Beispiel steckt in Akkus, Indium wird für Touchscreens gebraucht und Neodym für Lautsprecher. Der Geophysiker Christian Reichert von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe spricht über Kosten und mögliche Gewinne des Geschäfts mit der Tiefsee.
Drohende Schäden für das Ökosystem Tiefsee
Ein Gespräch mit der Tiefseeforscherin Antje Boetius
Brennende Bohrinsel (AP)Tiefsee und Meeresboden sind noch lange nicht in allen Einzelheiten erforscht. Doch einiges weiß man bereits. Zum Beispiel, dass es dort unten Rohstoffe gibt: Erdöl, Mangan und Methanhydrat zum Beispiel. China möchte am pazifischen Tiefseeboden Seltene Erden fördern, die für die High-Tech-Produktion benötigt werden. Auch Deutschland erkundet den Meeresboden.
Doch der Abbau wird Umweltschäden mit sich bringen, das befürchten Tiefseeforscher sowie Umweltschützer. Antje Boetius ist Tiefseeforscherin am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Sie erklärt die Gefahren des Rohstoff-Abbaus in den Tiefen.
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