Tierversuche Primat oder Petrischale
Es gibt Alternativen zu Tierversuchen, die Grundlagenforschung ist davon ausgenommen.
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- Die Zahl der Tierversuche nimmt zu, obwohl es mittlerweile Alternativen dazu gibt. (picture alliance | dpa)
Die Debatte um den Einsatz von Tieren in der medizinischen und kosmetischen Forschung wird seit Jahren emotional geführt. Es gibt gute Gründe für den Tierversuch - aber auch Alternativen. In Deutschland nimmt die Zahl der Tierversuche seit Jahren zu. Am Internationalen Tag des Versuchstiers blicken wir auf Labormäuse, Versuchskaninchen und Co.
2.856.316 Tiere standen laut Bundesregierung im Jahr 2010 im Dienst der Forschung: Darunter 1.963.209 Mäuse, 442.448 Ratten und 166.002 Fische - die drei größten Gruppen der Versuchstiere. Die Versuchstierzahlen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent.
Immer mehr Mäuse
Ein Beitrag der Wissenschaftsjournalistin Marieke Degen (Wdh. vom 02.12.2010)
In einem Labor werden die optomotorischen Reaktionen einer Maus gemessen. (picture alliance / dpa)Es gibt längst Alternativen zu Laborexperimenten mit Mäusen, Meerschweinchen oder Mauleseln. Für Tests von Kosmetika müssen Kaninchen schon seit mehreren Jahren nicht mehr ihre Haut hinhalten. In der Medikamentenforschung geht die Anzahl der Tierversuche ebenfalls zurück. Insgesamt aber steigt die Zahl der Versuchstiere. Die meisten von ihnen braucht man in der Grundlagenforschung. Mithilfe genetisch manipulierter Mäuse untersuchen Forscher Krankheiten wie Alzheimer, Krebs oder Diabetes.
Artgerecht im Labor
Ein Beitrag der Wissenschaftsjournalistin Marieke Degen (Wdh.vom 08.10.2010)
Mehr Platz - auch für das Huhn. (Ari Moore / flickr/ by-nc-sa/2.0)
Seit Ende 2010 schreibt eine EU-Richtlinie vor, dass Versuchstiere die Möglichkeit haben müssen, sich artgerecht zu verhalten. Sie brauchen mehr Platz. Hühner sollen scharren, Mäuse Nester bauen können. Das dient nicht nur dem Tierschutz, sondern verbessert auch die Gesundheit der Labortiere und wirkt sich positiv auf Versuchsergebnisse aus, sagen Forscher. Allerdings heißt das auch: Labore können nicht mehr so viele Tiere wie früher in ihren Tierhäusern halten, und die Versuche werden teurer. Marieke Degen hat das Hühnerhaus der Bundesanstalt für Risikobewertung in Berlin besucht.
Steuergelder für den Tierversuch
Ein Gespräch mit dem Tierphysiologen Gerhard Heldmaier, Professor an der Philipps-Universität Marburg
Das Fettgewebe einer Maus am Computerbildschirm. (picture alliance / dpa)Jahr für Jahr wird ein dreistelliger Millionenbetrag für medizinische Forschung an Tieren ausgegeben. Nach wie vor halten Forscher an den Tests fest. Im Wirtschaftsgespräch beleuchten wir den ökonomischen Aspekt von Tierversuchen. Welchen wirtschaftlichen Nutzen hat der Einsatz der Versuchstiere, wie viel Geld kosten die Forschungsvorhaben? Uns interessiert außerdem, welche Mittel in die alternative medizinische Forschung fließen.
Zellkultur statt Versuchskaninchen
Ein Gespräch mit Marcel Leist, Direktor des Zentrums für Alternativmethoden zum Tierversuchersatz in Europa an der Universität Konstanz
Neue Methoden machen Tierversuche überflüssig. (Christophe Stoll/ Flickr/ cc by-nc-sa/2.0)Mäuse, Ratten, Kaninchen oder Affen - in vielen Bereichen der Forschung können und wollen Forscher auf Tiere nicht verzichten. Allerdings gibt es immer mehr Verfahren, in denen keine Wirbeltiere, sondern Zellen eingesetzt werden. Um neu eingeführte Medikamente auf bakterielle Verunreinigungen zu testen, wurden bis 2010 europaweit noch Tausende Kaninchen getötet. An der Universität Konstanz hat man ein alternatives Verfahren entwickelt, das mit menschlichem Spenderblut arbeitet.
"Versuchstierkunde ist angewandter Tierschutz"
Gespräch mit Hansjoachim Hackbarth von der Tierärztlichen Hochschule Hannover
Eine Maus gefangen im Labor. (picture alliance / dpa)Ob Labormäuse Schmerzen haben, kann ein geschulter Beobachter an ihrer Mimik erkennen. Und Blutproben entnimmt man ihnen am schnellsten und schonendsten aus einer Ader hinterm Auge. Diese Erkenntnisse gehen auf die Untersuchungen von Versuchstierkundlern zurück. Ein Fach, das Labortieren ihr Leben angenehmer machen soll. "Schmerztherapie gehört bei Versuchstieren heute zum Standard", sagt Hansjoachim Hackbarth vom Institut für Tierschutz Hannover.
Die Forschungsergebnisse kommen seiner Meinung nach in den Tierversuchslaboren an. So können Versuchsmäuse inzwischen Schmerzmittel oft selbst dosieren, indem sie zwei Trinkflaschen in ihren Käfigen anzapfen können: eine mit und eine ohne Schmerzmittel. Besonders angesehen ist sein Fach allerdings nicht, finanzielle Fördermittel gibt es dafür kaum.