Mittwoch, 19. Juni 2013

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Tiger Zahmlos  

Nur weil der Mensch Vertrauen zu einem Tier fasst, ist es noch lange nicht zahm

Ein Tiger liegt auf einem Felsen, den Kopf auf den Pfoten, aber die Augen sind wach und aufmerksam
Trügerisch: Raubkatzen bleiben Wildtiere und für den Menschen gefährlich. (Bobby Chromik | flickr | cc by-nc-sa)

Wilde Tiere sind gefährlich. Man vergisst das schnell, wenn man den possierlichen Löwen, Eisbären oder Nashörnern im Zoo beim Dösen oder Spielen zuschaut. Nur ein Unfall wie der im Kölner Zoo am 25. August macht deutlich, dass die gefangen gehaltenen Tiere nicht zähmbar sind, sondern in vielen Fällen genauso unberechenbar und gefährlich wie in freier Natur reagieren.

Die Natur wird ausgeblendet. Lebende Tiere, die Beute vieler tierischer Räuber, werden nicht verfüttert. Es gibt Fleisch zubereitet wie vom Metzger. Wenn die Tiere Glück haben, wird ihr Jagdtrieb durch eine Beutemaschine stimuliert. Das ist ein modernes Bild vom Tier als Mitgeschöpf, dessen unappetitlichere Seiten man gerne ausblendet, wenn über "artgerechte" Haltung gesprochen wird.

Bis vor gar nicht allzu langer Zeit war das noch anders. Da wurden Raubkatzen, Bären und Affen noch als wilde Bestien ausgestellt - eingesperrt und angekettet ohne schlechtes Gewissen. Unser Bild vom wilden Tier hat sich verändert, es ist mitfühlender, respektvoller geworden - und tendenziell verharmlosend. Im Tagesthema sprechen wir über das Verhältnis des Menschen zum Wildtier, das auch im Zoo nicht zum Haustier wird.

 

"Meistens ist der Mensch dem Tiger suspekt"
Der Biologe Jörg Zittlau über das Jagdverhalten der großen Raubkatzen

Ein Tiger gähnt.Die Reißzähne sind gefährliche Waffen. (picture alliance / dpa | Jan-Philipp Strobel)Tiger gelten als gefährlich. Tatsächlich gibt es jedes Jahr tödliche Unfälle mit den gestreiften Beutegreifern. Der Mensch kann in das Beuteschema des Tigers fallen. Im indischen Gangesdelta gibt es knapp 25 Tote pro Jahr durch Tigerattacken. Monster seien Tiger aber nicht, meint Jörg Zittlau: In der Regel gingen die Tiere den Menschen lieber aus dem Weg.

 

 

"Bloß nichts riskieren"
Laura Harder hat sich im Magdeburger Zoo erzählen lassen, wie dort mit gefährlichen Raubtieren umgegangen wird


Sumatra-Tiger Carlos in der Wilhelma in Stuttgart.Auch wenn Raubkatzen den Menschen nahe kommen lassen, bleiben sie gefährlich. (picture alliance / dpa | Jan-Philipp Strobel)Tierpflegerinnen und -pfleger kommen Raubtieren so nah wie sonst kaum ein Mensch. Sie füttern sie, sie reinigen ihr Gehege, sie sorgen für medizinische Behandlung, wenn es nötig ist. Sie sind täglich mit ihnen in Kontakt. Über die Jahre entsteht so eine Art Vertrautheit zwischen Tier und Mensch, aber keinesfalls ein Kuschelfaktor, erzählt der Magdeburger Zoo-Tierpfleger Thorsten.

 

 

"Das Miteinander ist eine Fiktion"
Stefan Zahlmann, Professor für Medienkulturen an der Universität Wien, über das trügerische Gefühl, mit wilden Tieren auf Augenhöhe zu sein

Ein Paar lässt sich mit seinem Tiger in Ohio, USA, fotografieren.Menschen neigen dazu, Raukatzen zu verharmlosen. (meowdip | flickr | cc by-nc-sa 2.0)Löwen, Panther, Leoparden - wilde exotische Tiere stellte man gerne zur Schau. Auch aufgeklärte Herrscher zeigten auf diese Weise, welche Macht sie hatten - und wie prächtig ihr Besitz war. Heute ist das Bild von gefährlichen Tieren eher vom Kuschelwunsch geprägt als von Angst. Denn die unzähligen Zoo-Dokus und Tiersoaps vermitteln das Gefühl: nah dran, nah verbunden.

 



Mehr bei DRadio Wissen:

Biologie: Jenseits der Gehege
Volker Mrasek über die Bewohner Zoologischer Gärten
(Natur vom 07.09.2011)

Gondwanaland: Umstrittenes Wildtier-Event
Franziska Badenschier über 40 exotische Tierarten und rund 500 verschiedene Baum- und Pflanzenarten im Leipziger Zoo.
(Natur vom 11.07.2011)

Tierpfleger: Beruf oder Berufung: Tierpfleger im Zoo
Reportage von Yesim Ali Oglou
(Meine Zukunft vom 08.03.2011)

Weitere Informationen:

Tödliche Tigerattacke - Polizei ermittelt Tathergang im Kölner Zoo
(Spiegel online vom 26.08.2012)

Verhaltensforschung: Übergriffe von Wildtieren auf Menschen nehmen zu
(welt.de vom 01.09.2008)

Verhaltensorientierter Arbeitsschutz: Menschen sind wichtiger als Stahl
(siegfriedlachmann.de)

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