Tiger Zahmlos
Nur weil der Mensch Vertrauen zu einem Tier fasst, ist es noch lange nicht zahm
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- Trügerisch: Raubkatzen bleiben Wildtiere und für den Menschen gefährlich. (Bobby Chromik | flickr | cc by-nc-sa)
Wilde Tiere sind gefährlich. Man vergisst das schnell, wenn man den possierlichen Löwen, Eisbären oder Nashörnern im Zoo beim Dösen oder Spielen zuschaut. Nur ein Unfall wie der im Kölner Zoo am 25. August macht deutlich, dass die gefangen gehaltenen Tiere nicht zähmbar sind, sondern in vielen Fällen genauso unberechenbar und gefährlich wie in freier Natur reagieren.
Die Natur wird ausgeblendet. Lebende Tiere, die Beute vieler tierischer Räuber, werden nicht verfüttert. Es gibt Fleisch zubereitet wie vom Metzger. Wenn die Tiere Glück haben, wird ihr Jagdtrieb durch eine Beutemaschine stimuliert. Das ist ein modernes Bild vom Tier als Mitgeschöpf, dessen unappetitlichere Seiten man gerne ausblendet, wenn über "artgerechte" Haltung gesprochen wird.
Bis vor gar nicht allzu langer Zeit war das noch anders. Da wurden Raubkatzen, Bären und Affen noch als wilde Bestien ausgestellt - eingesperrt und angekettet ohne schlechtes Gewissen. Unser Bild vom wilden Tier hat sich verändert, es ist mitfühlender, respektvoller geworden - und tendenziell verharmlosend. Im Tagesthema sprechen wir über das Verhältnis des Menschen zum Wildtier, das auch im Zoo nicht zum Haustier wird.
"Meistens ist der Mensch dem Tiger suspekt"
Der Biologe Jörg Zittlau über das Jagdverhalten der großen Raubkatzen
Die Reißzähne sind gefährliche Waffen. (picture alliance / dpa | Jan-Philipp Strobel)Tiger gelten als gefährlich. Tatsächlich gibt es jedes Jahr tödliche Unfälle mit den gestreiften Beutegreifern. Der Mensch kann in das Beuteschema des Tigers fallen. Im indischen Gangesdelta gibt es knapp 25 Tote pro Jahr durch Tigerattacken. Monster seien Tiger aber nicht, meint Jörg Zittlau: In der Regel gingen die Tiere den Menschen lieber aus dem Weg.
"Bloß nichts riskieren"
Laura Harder hat sich im Magdeburger Zoo erzählen lassen, wie dort mit gefährlichen Raubtieren umgegangen wird
Auch wenn Raubkatzen den Menschen nahe kommen lassen, bleiben sie gefährlich. (picture alliance / dpa | Jan-Philipp Strobel)Tierpflegerinnen und -pfleger kommen Raubtieren so nah wie sonst kaum ein Mensch. Sie füttern sie, sie reinigen ihr Gehege, sie sorgen für medizinische Behandlung, wenn es nötig ist. Sie sind täglich mit ihnen in Kontakt. Über die Jahre entsteht so eine Art Vertrautheit zwischen Tier und Mensch, aber keinesfalls ein Kuschelfaktor, erzählt der Magdeburger Zoo-Tierpfleger Thorsten.
"Das Miteinander ist eine Fiktion"
Stefan Zahlmann, Professor für Medienkulturen an der Universität Wien, über das trügerische Gefühl, mit wilden Tieren auf Augenhöhe zu sein
Menschen neigen dazu, Raukatzen zu verharmlosen. (meowdip | flickr | cc by-nc-sa 2.0)Löwen, Panther, Leoparden - wilde exotische Tiere stellte man gerne zur Schau. Auch aufgeklärte Herrscher zeigten auf diese Weise, welche Macht sie hatten - und wie prächtig ihr Besitz war. Heute ist das Bild von gefährlichen Tieren eher vom Kuschelwunsch geprägt als von Angst. Denn die unzähligen Zoo-Dokus und Tiersoaps vermitteln das Gefühl: nah dran, nah verbunden.