Toxoplasma Manipulativer Mitbewohner
Ein Parasit verändert das menschliche Verhalten
-
- Mikroskopische Aufnahme eines Toxoplasma gondii. (flickr.com | AJC1 CC BY-SA 2.0)
Je länger ein Mensch mit dem Parasiten Toxoplasma gondii infiziert ist, desto weniger gewissenhaft ist er. Seine Risikobereitschaft steigt. Das behauptet der tschechische Biologe Jaroslav Flegr. Die These klingt gewagt, ist aber nicht abwegig. Denn bei infizierten Mäusen sind Verhaltensänderungen belegt.
Der Parasit Toxoplasma ist weit verbreitet. In Deutschland trägt ihn etwa jeder dritte Mensch. Hauptwirt des einzelligen Lebewesens sind Katzen. In ihrem Kot befinden sich die Toxoplasmen in einem Stadium, in dem sie bis zu zwei Jahre überleben können. Menschen nehmen den Parasiten dann bei der Gartenarbeit oder beim Umgang mit Katzen auf, oder wenn sie das Fleisch infizierter Schweine oder Schafe essen.
Bislang ging man davon aus, dass diese Infektion nur für Schwangere oder immungeschwächte Aidspatienten gefährlich ist. Doch der Verdacht erhärtet sich, dass der Parasit seine menschlichen Wirte wie die tierischen manipuliert und zu riskantem Verhalten verleitet.
Lebenszyklus des Einzellers
Kristin Raabe schildert die Wege von Toxoplasma
Toxoplasma gondii, ein einzelliges Lebewesen beim Eindringen in die Wirtszelle. (wikipedia.org | plos.org CC BY 2.5)Toxoplasma ist ein einzelliges Lebewesen. Je nach Stadium nimmt der Parasit verschiedene Formen an, immer abhängig davon, ob er sich gerade in einem Wirt vermehrt, sich in dessen Muskelfleisch und Organen einrichtet, oder sich auf eine längere Durststrecke in freier Natur gefasst macht. Sein ganzes Streben dient dem Ziel, von einer Katze zur nächsten zu gelangen. Zwischenwirte wie Mäuse, Schweine oder Menschen kommen ihm da gerade recht.
Ein Problem nur für Schwangere und Immungeschwächte
Der Mediziner Uwe Groß zur Krankheit Toxoplasmose
Pseudozysten bei zerebraler Toxoplasmose im Hirnbiopsat bei einem immungeschwächten Patienten. (wikipedia.org | Marvin 101 CC BY-SA 2.0)Wer von Toxoplasmose betroffen ist, merkt es kaum, denn man fühlt sich kaum krank. Für die Föten von Schwangeren stellt Toxoplasmose eine Gefahr dar: Es kann zu Fehlgeburten oder Fehlbildungen kommen. Ein Antikörpersuchtest kann klären, ob eine Frau gefährdet ist. Auch Menschen, deren Immunsystem durch Aids oder durch Medikamente geschädigt ist, müssen sich vor dem Parasiten hüten.
Der manipulative Parasit
Der Biologe Joachim Kurtz über das Verhältnis zwischen Wirt und Toxoplasma
Die Zellteilung eines Toxoplasma gondii im Darm einer Katze. (flickr.com | Microbe World CC BY-NC-SA 2.0)Heimtückisch ist Toxoplasma gondii nicht - aber egoistisch. Im Laufe der Evolution haben immer die Toxoplasma-Parasiten überlebt, deren Wirte von Katzen gefressen wurden. Ein Wirt, der sich riskant verhält, kommt dem Parasiten also entgegen, sagt Joachim Kurtz von der Universität Münster. Und Parasiten, die ihren Wirt zu solch einem Verhalten manipulieren können, haben einen Selektionsvorteil.
Das Who is Who der heimischen Parasiten
Die Redaktion präsentiert ihre Lieblingsparasiten
Die gemeine Kopflaus in Großaufnahme. (wikipedia.org | M123 gemeinfrei)Natürlich leben in Borneo noch viel viel schlimmere Parasiten, doch auch über heimische Parasiten gibt es Wissenswertes und Spannendes zu berichten. Stephan Beuting hat Fakten zusammengetragen und präsentiert Milbe, Kopflaus, Fuchsbandwurm und den kleinen Leberegel im DRadio-Wissen-Redaktions-Parasitenranking.