Transparenz Was hab' ich zu verbergen?
Fehlende Transparenz kann Schaden anrichten, trotzdem ist sie nicht immer erwünscht
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- Es gibt Dinge, die wollen wir lieber verbergen - bei anderen fordern wir Transparenz. (hjrosasq | flickr | cc by-nc-sa 2.0)
Die Kritik an SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: mangelnde Transparenz in Sachen Nebeneinkünfte. Die SPD hat den Spieß jetzt umgedreht und fordert von der Regierungskoalition ein schärferes Transparenzgesetz. Dabei sind sich alle einig: Wer als Politiker Nebeneinkünfte erzielt, soll sie offenlegen, um zu beweisen, dass er nicht abhängig von einer wirtschaftlichen Gruppe ist.
Intransparenz richtet ökonomischen Schaden an und ist die kleine Schwester der Bestechlichkeit. Undurchsichtige Strukturen bei der Vergabe von öffentlichen Großaufträgen oder Preisabsprachen zwischen Großunternehmen treiben die Preise nach oben und halten Konkurrenten vom Markt fern.
Der schmale Grad zwischen Geheimhaltung und Transparenz
Es gibt dennoch Bereiche, in denen Transparenz nicht erwünscht ist. Geheimhaltung und Diskretion sind unverzichtbare Bestandteile Außenpolitik. Ein Open-Data-Projekt hat in Großbritannien die Frage aufgeworfen, welche Daten veröffentlicht werden sollten und welche nicht. Und den Schweden macht in Sachen Transparenz niemand etwas vor: Hier wird sogar das Einkommen von Privatpersonen im Netz veröffentlicht.
Vorbild England: Open Data auf dem Vormarsch
Julia Kloiber, Open Knowledge-Foundation in Berlin, über den Versuch in Deutschland öffentliche Daten öffentlich zu machen
Was ist Open Data? Ein Definitionsversuch. (justgrimes | flickr | cc by-sa 2.0)Während die Open-Data-Bewegung in Großbritannien auf dem Vormarsch ist, werden öffentliche Daten in Deutschland immer noch zögerlich herausgegeben. Dabei geht es alle Bürger etwas an, wohin die Steuergelder fließen, finden Open-Data-Befürworter. Doch bei manchen Daten gibt es Bedenken, sie zu veröffentlichen: Polizeidaten zum Beispiel.
Was der Nachbar verdient
Alexander Budde über den öffentlichen Umgang mit Gehaltsdaten in Schweden
In Schweden kann man öffentlich einsehen, wie viel Steuern der Nachbar zahlt. (arnybo | flickr | cc by-nc-sa 2.0)In Schweden drucken Zeitungen die Einkommen der Topverdiener, wie viele Steuern der Nachbar zahlt, kann der Norweger im Internet lesen. Diese Freizügigkeit ist geschichtlich gewachsen: Die Skandinavier haben mehr Vertrauen in den Staat und seine Institutionen als die Deutschen.
Bis zu 750 Millionen Euro Schaden
Kay Weidner, Sprecher des Bundeskartellamtes in Bonn, über illegale Absprachen in der Wirtschaft
Auch zu viel Transparenz kann schaden: Tankstellen nutzen das transparente Preissystem für Absprachen. (dpa / picture alliance)
Jahr für Jahr entsteht in Deutschland wirtschaftlicher Schaden durch undurchsichtige Verflechtungen zwischen Firmen, die Konkurrenten sind, sich aber durch illegale Absprachen einen Preisvorteil von bis zu 30 Prozent verschaffen. Während einerseits Preise in Hinterzimmern abgesprochen werden, lebt die Tankstellen-Branche von zu viel Transparenz: Spritpreise sind weithin sichtbar und dienen so der - eigentlich illegalen - Preisabsprache.
Offenlegung als Mittel gegen Korruption
Vorstandsmitglied Peter von Blomberg über die Arbeit von Transparency International
Wer seine Einkünfte öffentlich machen muss, hat weniger Chancen, sich heimlich etwas in die Tasche zu stecken. (picture alliance / dpa / Josef Horazny)"Der gläserne Abgeordnete" ist das beste Mittel zur Verhinderung von Korruption und Bestechlichkeit. Für mehr Transparenz in Politik und Wirtschaft kämpft die Nichtregierungsorganisation Transparency International seit Jahren. Mit Erfolg: Die Bezüge etwa von DAX-Vorständen sind öffentlich und die Vorschriften für die Offenlegung von Nebeneinkünften von Politikern sind ebenfalls strenger geworden.
Was in der Schublade bleibt
Stern-Journalist Oliver Schröm über Informationen, die man nicht veröffentlicht
Es gibt Informationen, die bleiben aus gutem Grund unter Verschluss. (Kevin Grocki | flickr | cc by-nc-sa 2.0)Es ist die Aufgabe von Journalisten, die Öffentlichkeit zu informieren. Berichte über Missstände und Skandale machen sichtbar, was die Betroffenen lieber verschleiern würden. Doch auch für Medienmacher gilt: Nicht alles, was sie erfahren, wird veröffentlicht. Oliver Schröm, Leiter des Teams "Investigative Recherche" beim Stern, sagt, wo die Grenzen sind.