Trollkonferenz Konstruktive Nervensägen
Webschau mit Martina Schulte
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- Auch analog sind Trolle ziemlich unangenehm. (Benny Mazur | Flickr | CC BY 2.0)
Ihr Lebensraum sind soziale Netzwerke, Internet-Foren, News-Portale und Blogs. Trolle wollen dort provozieren, zum Nachdenken anregen oder manchmal auch einfach nur destruktiv sein. Im Mannheimer Hackerspace RaumZeitLabor fand jetzt die erste Konferenz statt, die sich explizit mit dem Thema Online-Trolle beschäftigt: die Trollcon.
Für die meisten im Netz sind Trolle einfach nur nervige Störenfriede, die man besser ignoriert. Wenige Menschen finden Trolle bereichernd oder lustig. Aber genau um die positiven Aspekte des Trolltums ging es auf der Mannheimer Konferenz - um die Provokation als positiven und kreativen Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs, der den Getrollten ihre eigenen Verletzbarkeiten aufzeigt.
Trolle haben auch etwas Gutes
Der Netzkünstler Dragan Espenschied sieht im Trollen einen eigenen Kommunikationsstandard, der tief in der Internetkultur verwurzelt sei. Heutige Plattformen wie Facebook und Google+ seien langweilig. Wenn man als Nutzer noch etwas Ellenbogenfreiheit spüren wolle, bleibe einem "nichts anderes übrig als zu trollen.“
Das Blog Gulli schreibt zusammenfassend über die Konferenz: "Trollerei kann sich in einem Thread destruktiv auswirken, sie kann aber auch eine kreative Rolle im Diskurs spielen. Es kann höchst anstrengend, aber auch wohltuend sein, einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Durch die absichtliche Provokation und das Stellen von Fragen können Denkprozesse eingeleitet und gruppendynamische Synergieeffekte beschleunigt werden.“
Der "Troll des Jahres"
Die Trollcon 2012 vergibt einen Preis, den "Troll des Jahres". Er geht an Christopher Lauer, den Fraktionsvorsitzenden der Piratenpartei im Berliner Abgeordnetenhaus. Er wird für seinen provokanten Kommunikationsstil ausgezeichnet. Besonders durch seine Auftritte in Fernseh-Talkshows und seine Reden im Abgeordnetenhaus habe es Lauer geschafft, die Berufspolitiker von inhaltslosen Worthülsen zu befreien. Seine oft demaskierenden Zwischenrufe hätten zum Beispiel Moderatoren des öffentlich-rechtlichen Rundfunks oder den talkshowerfahrenen Kurt Beck an den Rand der Weißglut gebracht, so die Jury.
Netzreaktionen auf den Preis für Lauer gemischt
"Kurze Durchsage: Trolle sind ganz arme Würstchen. Und diese Romantisierung der sozialen Inkompetenz regt mich auf", schrieb ein Nutzer bei Twitter. Dirk von Gehlen, der Chef von jetzt.de sieht das anders. Seit 2003 ist Lauer als Nutzer CommodoreSchmidtlepp dort aktiv - von Gehlen beschreibt ihn als einen der hartnäckigeren Trolle, der Nutzer und Redaktion von jetzt.de immer wieder in intensive Debatten verwickele.
In einer "ungebetenen Laudatio auf den Troll des Jahres" schreibt von Gehlen, Lauers Trollen sei eher "ein Aufbegehren gegen eine vermeintliche höhere Macht gewesen, gegen die Redaktion, die Zeitung, das gesamte Medienwesen." Es sei anstrengend und in manchen Fällen demotivierend gewesen, mit ihm zu tun zu haben, aber "vielleicht war es tatsächlich für etwas gut."
Trolle vor Gericht
Mit Hilfe des "Communications Act" wollen britische Staatsanwälte Trollen einen Maulkorb verpassen. Das Gesetz verbietet auf elektronischem Wege “anstößige, obszöne oder drohende” Nachrichten zu veröffentlichen.
Der 19-jährige Matthew Woods wurde im Schnellverfahren zu zwölf Wochen Gefängnis verurteilt, weil er auf Facebook geschmacklose Witze über zwei verschwundene Mädchen verbreitet hatte. Große Teil der Gesellschaft scheinen der Meinung zu sein, dass Trolle moralische und gesetzliche Grenzen überschreiten.