Türkei Goldrausch am Bosporus
Luise Sammann über das Goldfieber der Türken
Im Sofakissen eingenäht oder im Privattresor - viele Türken horten Gold. Türkische Banken wollen das ändern. "Das Gold muss unter der Matratze vorgeholt werden", fordern sie.
290 Milliarden US-Dollar - so viel Reichtum lagert nach Schätzungen türkischer Banken in türkischen Wohnungen. Als Barren in Sofakissen eingenäht, als Armreifen in der Schmuckschatulle, als Münzen im Privattresor... Gold als sichere Anlagequelle steht bei den Türken traditionell hoch im Kurs. Nach Jahrzehnten voller Wirtschaftskrisen, nach Rekord-Inflationen und Währungsreformen gilt Gold am Bosporus vielen als einzig sicherer Hafen. Doch das soll sich nun möglichst ändern.
5.000 Tonnen Gold unterm Kopfkissen
Die türkische Goldraffinerie geht von 5.000 Tonnen Gold aus, die als Barren, Broschen oder Armreifen dem Geldkreislauf des Landes entzogen werden. Das schade der türkischen Wirtschaft. "Das Gold muss unter der Matratze vorgeholt werden", fordert deswegen der Chef der türkischen Zentralbank seine Landsleute auf. Sie sollen ihr Gold nicht mehr unter dem Kopfkissen aufbewahren, sondern wenigstens zur Bank bringen.
Goldautomat statt Geldautomat
In Istanbul stehen dafür inzwischen extra Bankautomaten, an denen die Kunden statt Geldscheinen kleine Goldbarren ein- und auszahlen können. Hunderte von Kilo seien bereits eingezahlt worden, schwärmen die "Goldbanking"-Fachleute der Banken. Und dennoch: Ob das Konzept am Ende aufgeht, bleibt fraglich. Traditionen sitzen nun einmal tief und ihre Goldgeheimnisse sind vielen türkischen Familien heilig.