Türkei Väter müssen nachsitzen
Luise Sammann über die staatliche Kurse, in denen Väter das Vatersein lernen
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- Vatersein ist keine leichte Aufgabe. (Marika Laurel | Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)
Vater werden ist leicht, Vater sein ist schwer - auch in der Türkei. Hier bietet der Staat jetzt landesweit Weiterbildungskurse für Väter an.
In der Türkei ist die Kindererziehung in vielen Fällen noch Frauensache. Nur 1,3 Prozent der türkischen Jugendlichen verbringen laut einer Studie ihre Freizeit mit ihren Vätern. Keine fünf Prozent teilen ihre Probleme mit ihnen. Manch einem türkischen Mann ist es sogar unangenehm mit dem Baby auf dem Arm in der Öffentlichkeit zu erscheinen oder im Supermarkt Windeln zu kaufen.
Vatersein will gelernt sein
Das soll sich nun ändern, mithilfe von "Vater-Unterstützungs-Kursen", die das türkische Bildungsministerium überall im Land anbietet. Türkische Väter lernen hier Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind: Richtig zuhören, Erziehung ohne Druckmittel oder Schläge, die Aufgabenverteilung zwischen Mutter und Vater. 23.000 türkische Väter haben bereits einen solchen Vaterkurs absolviert.
Kampf um die Geschlechterrollen
Der Koordinator der Kurse, Hasan Deniz, macht das überholte Rollenbild in der Türkei für den Nachholbedarf der Väter verantwortlich: "Am kompliziertesten ist es, die Geschlechterrollen in der Gesellschaft zu ändern. Denn ein Mensch ist nun mal zunächst nicht Vater, sondern Mann! Das heißt: Er wärmt keine Milch auf, er wechselt keine Windeln, er weint nicht, er hat vor nichts Angst, er ist stark. Um Erfolg zu haben, muss man sich also mit diesem Männerbild auseinandersetzen. Man muss es so ändern, dass danach auch ein Mann die Küche betreten kann."