Sonntag, 19. Mai 2013

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U-Boote 500 Millionen Euro unter dem Meer  

Trotz Entspannung und Abrüstung boomt das Geschäft mit Unterseebooten. Es gibt viele Gründe, warum die Nachfrage nach U-Booten steigt.

Das Dolphin-U-Boot 265, Baujahr 1999, im Hafen von Haifa.
Die neuen U-Boot-Modelle können wochenlang unter Wasser bleiben, ohne aufzutauchen. (HDW)

Trotz Entspannung und Abrüstung sind U-Boote heute gefragter denn je. Bei der Produktion von nicht-nuklearen Unterseebooten ist Deutschland internationaler Marktführer. In die Kritik ist das jüngste Rüstungsgeschäft Deutschlands geraten, bei dem Israel ein viertes U-Boot aus den deutschen Howaldtswerken erhält - atomar aufrüstbar.

Weltweit durchkreuzen etwa 500 bis 600 U-Boote die Meere. Ungefähr jedes zehnte von ihnen ist mit Atomwaffen ausgestattet. China besitzt die meisten U-Boote, allerdings muss unterschieden werden zwischen verschiedenen U-Boot-Typen und verschiedenen Größen.

State of the Art ist, was in der Howaldtswerke-Deutschen Werft gebaut wird. Zur Zeit ist es das Typ 212 A, ein Dolphin-U-Boot. Es zeichnet sich durch besonders leise Fahrgeräusche und einer geringen Wärmeabstrahlung aus. Das bedeutet: Das U-Boot ist schwierig zu orten. Der neueste Typ des 212 A kostet rund 500 Millionen Euro.

Die Bedeutung der U-Boote bei kriegerischen Auseinandersetzungen nahm im Ersten und Zweiten Weltkrieg zu. Im Kalten Krieg wurden die U-Boote atomar aufgerüstet. Und auch heute noch sind U-Boote gefragt. Die Technik wurde immer weiter verbessert. Gerade die großen, neuen Modelle können wochenlang unter Wasser bleiben ohne aufzutauchen.

 

Das Gegenteil von Unterwasser-Liebe
Über die technische Ausstattung der neusten U-Boote der Klasse 212 A berichtet Andreas Noll.

Ein U-Boot der vergrößerten Dolphin-Klasse für Israel auf dem Gelände der Howaldtswerke in Kiel.Ein U-Boot der vergrößerten Dolphin-Klasse für Israel auf dem Gelände der Howaldtswerke in Kiel. (picture alliance / dpa | Markus Scholz)Abgetaucht und nicht geortet. Bis zu sechs Wochen können die U-Boote der Klasse 212 A geheim unter Wasser operieren. Die in Deutschland entwickeltem Unterwasserboote sind daher bei Militärs gefragter denn je. Auch die U-Boote für Israel entsprechen einem ähnlichen Typen. Ein Grund: Durch den Antrieb mittels einer Brennstoffzelle verdrängen die Boote geräuscharm das Wasser. Dazu liegt die Wärmeentwicklung der U-Boote unter 80 Grad und ziehen somit keine Wärmeschleppe hinter sich her. Eines der neuesten Modelle ist das U-Boot 34. In diesem war Andreas Noll in der Ostsee unterwegs.

 

Deutsche Verkaufsschlager
Professor Michael Brzoska ist Direktor am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg. Er weiß, wer die Global-Player auf dem U-Boot-Markt sind.

Marinesoldaten in der Lucke eines U-Boots der Klasse 212 A.Marinesoldaten in der Lucke eines U-Boots der Klasse 212 A. (HDW)U35 ist die neueste Version der U-Boot-Familie 212 A. Das U-Boot ist besonders leise und im Vergleich zu Vorgängermodellen wurde die Wärmeabstrahlung reduziert. Das mit Brennstoffzellen angetriebene U-Boot kann wochenlang unter Wasser bleiben und unerkannt Seegebiete überwachen. Dieses neue U-Boot wurde im November 2011 in der Kieler Howaldtswerke-Deutschen Werft getauft und soll im August 2013 an die Bundeswehr übergeben werden.

Deutschland ist weltweit führend, was die U-Boot-Technik angeht. Wer das neueste U-Boot-Modell kaufen möchte, muss dafür circa eine halbe Milliarde Euro auf den Tisch legen, erklärt Michael Brzoska. Die U-Boote, die von Deutschland an Israel geliefert werden, seien allerdings nicht ganz so neu und etwas günstiger.

Deutschland ist weltweit bekannt für seine U-Boote, die vor allem in der Howaldtswerke-Deutsch Werft der ThyssenKrupp Marine Systems AG gebaut werden. Die Werft gilt als Kompetenzzentrum für den Bau der modernsten nicht-nuklearen U-Boote der Welt.

 

"Wer als Erster schießt, stirbt als Zweiter."
Über die militärische Bedeutung von U-Booten sprechen wir mit dem Journalisten Thomas Wiegold.

Blick durch das Periskop in einem U-Boot.Blick durch das Periskop in einem U-Boot. (wikipedia.org | Chrischi gemeinfrei)Deutschland nimmt mittlerweile den dritten Platz weltweit bei den Waffenexporten ein - dank der U-Boot-Lieferungen. Das Geschäft mit den U-Booten aus deutschen Werften sei ein Dauerbrenner, sagt der Journalist Thomas Wiegold. Außer Israel kauften unter anderem Griechenland und Portugal neue U-Boote. Nach Informationen des Spiegels bestückt Israel offenbar Unterwasserboote deutscher Herkunft mit Nuklearwaffen. Die Bundesregierung betont, die Lieferung, nicht die Nutzung der Kriegsschiffe sei ihre Verantwortung.

Israel benötigt laut Wiegold diese U-Boote, um eine Zweitschlagfähigkeit glaubwürdig vertreten zu können: Falls ein anderes Land Atomraketen auf das Territorium Israels abfeuern würde, könnten U-Boote noch einen Gegenschlag von See aus ausführen. "Israel kann damit wie die USA U-Boote als mobile Abschussbasis nutzen. Getreu dem Motto: Wer als Erster schießt, stirbt als Zweiter", sagt der Wiegold. Gerade die vergleichsweise kleinen und wendigen deutschen U-Boote können zudem als unerkannte Aufklärungsposten genutzt werden – wie es die Niederländer bei der Überwachung von Piratenbooten vor Somalia gemacht haben. "Damit hat sich der Einsatz eines U-Bootes seit dem Zweiten Weltkrieg grundlegend verändert."

 

Geheimnisvolles U-Boot - Stoff für Geschichten
Ein Gespräch mit Linda Maria Koldau, Professorin für Musikwissenschaft und Kulturgeschichte an der Universität Aarhus, Dänemark

Das U-Boot USS Nautilus liegt in der New London Submarine Base vor Anker.Die USS Nautilus war das erste Atom-U-Boot der US Navy. (Ennuipoet | Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)Das U-Boot ist immer wieder Thema für Geschichten - es gibt mehr als 150 U-Boot-Filme, zu den bekanntesten zählen "Das Boot" und "Jagd auf Roter Oktober" Warum uns Unterseeboote so sehr faszinieren und was sie so geheimnisvoll macht, weiß Linda Maria Koldau. Sie untersucht, inwiefern U-Boote Teil unserer Alltagskultur geworden sind.

 

 

 

Die Geschichte der U-Boote
Ein Gespräch mit Klaus Mattes vom U-Boot-Museum Wilhelm Bauer.

Das U-Boot USS Garyling der US-Marine 1909.Das U-Boot USS Garyling der US-Marine 1909. (wikipedia.org | U.S. Navy gemeinfrei)Als erstes U-Boot, das zu militärischen Zwecken eingesetzt wurde, gilt die "Turtle“. Eine Erfindung des Amerikaners David Bushnell 1776 aus Eisen und Eichenholz. Es war so klein, dass nur ein Mann darin Platz fand. In Deutschland begann die Weiterentwicklung der U-Boottechnik im 19. Jahrhundert. Allerdings gab es große Hürden zu überwinden: die Antriebskraft, die Versorgung mit Frischluft und die Entsorgung der Abgase. Als Pionier des U-Boot-Baus in Deutschland gilt der bayerische Ingenieur Wilhelm Bauer (1822-1875).

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg erlebten U-Boote ihre ersten großen militärischen Einsätze. Zunächst blieben sie von den Allierten unentdeckt und waren eine heimtückische Waffe, doch mit der Weiterentwicklung der Radar- und Sonartechnik wurden die Unterwasserjäger zu den Gejagten. Nur wenige U-Bootfahrer überlebten die Einsätze.



Mehr bei DRadio Wissen:

Tiefsee: Wettrennen um Rohstoffdepots
China hat aufgeholt im Wettrennen um die Rohstoffe auf dem Meeresboden. 
(Agenda vom 29.07.2011)

Seerecht: Staatsgrenzen auf hoher See
Verena Herb über den Alltag am Internationalen Seegerichtshof in Hamburg.
(Globus vom 26.09.2011)

 

Weitere Informationen:

Rüstungsgeschäft mit Israel Union macht Schröder für U-Boot-Deal mitverantwortlich
(spiegel.de vom 04.06.2012)

Geschichte der U-Boote
(planet-wissen.de vom 25.09.2009)

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