Überwachung Der Pranger für die Hosentasche
Simon Hurtz, Kooperative Berlin
Smartphone-Besitzer sollen in England künftig Hilfssheriff spielen. Eine App zeigt die Aufnahmen von Überwachungskameras. Wer einen Verdächtigen identifiziert, kann das der Polizei melden.
Längst treibt sich die Polizei auf Facebook herum, veröffentlicht dort Fahndungsaufrufe und klickt sich durch Nutzerprofile. Der Londoner Metropolitan Police ging das nicht weit genug. Deshalb hat die private Firma Facewatch eine App namens Facewatch id entwickelt - gesponsert unter anderem von Blackberry-Hersteller RIM.
Für 500 Pfund können sich Ladenbesitzer registrieren und die Bilder ihrer Überwachungskameras einspeisen, auf dass die gewillte Öffentlichkeit ihnen die Verdächtigen ans Messer liefere. Mit Hilfe der App lassen sich die Fahndungsfotos nach Postleitzahlen geordnet anzeigen. Wer meint, einen der mutmaßlichen Straftäter wiedererkannt zu haben, kann das der Polizei melden. Die nutzt diese großartige Möglichkeit, so Mark Rowley, führendes Mitglied des Londoner Polizeipräsidiums, natürlich auch selbst. Ein Großteil der 3000 bisher hochgeladenen Bilder stammt aus den Archiven der Polizei. So sollen etwa die Beteiligten an den London Riots 2011 überführt werden.
Angetan zeigen sich die Vorsitzenden der beiden deutschen Polizeigewerkschaften. Unisono fordern sie, ein solches Instrument auch in Deutschland einzuführen. Weniger begeistert sind Datenschützer wie Peter Schaar oder Elke Steven vom Komitee für Grundrechte und Demokratie. Als katastrophal für die Demokratie bezeichnet sie die App. Und Rena Tangens, Vorstandsmitglied des Bürgerrechtsvereins Foebud, sagt: Das eröffnet der Denunziation Tür und Tor.
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