Um die 30: die Serie "Damals gab es noch nützliche Geschenke"
Von Dörte Fiedler
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- Ursel Bergner und ihr Mann kaufen sich 1963 einen Trabant (Wikimedia Commons/Burts/CC BY-SA 3.0)
Die Mauer wird gebaut, Juri Gagarin fliegt einmal um die Welt und Stalin verschwindet von den Straßennamen. Ursel Berger wird 30. Sie lebt in Leipzig und ist schon seit zehn Jahren Lehrerin.
Das Jahr 1961 – Ost ist geprägt von zwei großen Ereignissen: der Weltumrundung des sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin im April und dem Mauerbau im August. In diesem Jahr erlebt Europa auch eine Sonnenfinsternis, die nächste wird dann erst wieder 1999 zu beobachten sein.
Und im Zuge einer zweiten Entstalinisierungswelle wird der Leichnam Stalins aus dem Lenin-Mausoleum entfernt und in der DDR werden etliche Stalinstraßen umbenannt. Stalinstadt wird Eisenhüttenstadt. Im Alltag wird Haushaltstag für berufstätige Frauen in der DDR eingeführt – ein bezahlter, arbeitsfreier Tag im Monat für jede berufstätige Frau. Beliebte Vornamen in diesem Jahr sind Sabine, Petra, Thomas und Michael.
DDR-Werbung für Lebensmittel aus dem Konsum-Supermarkt. (FaceMePLS|flickr|CC BY 2.0)
Trabant P50 (Wikimedia Commons/burts/CC BY-SA 3.0)
Entstalinisierung in der DDR: 1961 wurde Stalinstadt in Eisenhüttenstadt umbenannt. (dpa/Picture Alliance (Patrick Pleul))
Ursel Bergner - geboren 1931 - wollte eigentlich immer Dolmetscherin werden. Aufgrund einiger Zufälle und Umwege des Lebens ergriff sie dann den Beruf der Russisch-Lehrerin und übte diesen bis zu ihrer Pensionierung auch aus. 1961 hatte sie bereits zehn Dienstjahre hinter sich und fühlte sich als "gestandene Lehrerin". Als Ehrung für diese Dekade bekam sie die bronzene Pestalozzi-Medaille der DDR verliehen.
Sie selbst bezeichnet sich als Ureinwohnerin Leipzigs, hier wuchs sie auf, hier ging sie zur Schule erst als Schülerin und später als Lehrerin, hier lernte sie ihren Mann kennen, zog ihre Kinder groß und hier lebt sie noch heute: "Wir sind nie aus Marienbrunn (Stadteil Leipzigs) ausgezogen, meine Eltern sind hierher gezogen als ich drei Jahre alt war und mein Mann ist ein paar Häuser weiter mit seinen Eltern eingezogen. Seitdem wohnen wir hier."
Einnahmen-Ausgaben
(Grafik: Stefan Schmidt | Quelle: Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik)
Ein durchschnittlicher Arbeitnehmerhaushalt in der DDR kann 775 Mark im Monat ausgeben. Davon verwendet er 31,5 Prozent für Essen, weitere 8,2 Prozent für Getränke und Tabak, sowie 13,2 Prozent für Bekleidung. Wohnung und Heizung machen 5,2 Prozent aus. 100 Personen kaufen 1,2 Fotoapparate, 2,3 Fahrräder und 0,4 PKW. Jeder DDR-Bürger hat durchschnittlich 1150,75 Mark auf dem Sparbuch. Ein halbes Pfund Butter kostet 2,50 Mark, ein Kilo Roggenbrot 52 Pfennig, ein Ei 37 Pfennig.
Wohnung
Im Schnitt stehen einer Person 16,4 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Die Miete kostet kalt zwischen 30 und 50 Pfennig pro Quadratmeter.
Urlaub
Der Freie Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB) vermittelt 1186.432 Ferienreisen an seine Mitglieder. Im Inland kostet ein Tag Vollverpflegung 12,70 Mark pro Person, die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln inklusive. In das Sozialistische Ausland reisen 144.835 DDR-Bürger und bleiben durchschnittlich 8,3 Tage. Das beliebteste Auslandsziel ist Tschechoslowakei.
Familie
169.438 Ehen werden geschlossen, 26.114 im selben Jahr geschieden. Frauen heiraten durchschnittlich im Alter von 25,3 Jahren, Männer mit 27,9 Jahren. 305.501 Kinder wurden geboren, davon 11,2 Prozent nichtehelich. Für je 1000 Kinder unter drei Jahren stehen 119 Plätze in Kinderkrippen und Dauerheimen zur Verfügung.
In der zehnteiligen Serie "Um die 30" schaut DRadio Wissen zurück auf fünf Jahrzehnte privaten Lebens in Deutschland. Menschen aus Ost und West sprechen über ihre persönlichen Erlebnisse, zu dem Zeitpunkt als sie mehr oder weniger 30 Jahre alt waren. Diese Erinnerungen werden ergänzt durch statistische Angaben zum Einkommen, zur Wohnung und zur Familie.
Alle Beiträge unserer Serie "Um die 30" im Überblick.
Best of 2011: Der Bericht wurde erstmals am 09.11.2011 gesendet.