Uniformen Die Macht der Einheitlichkeit
Ob beim Sport oder im Beruf - Uniformen bestimmen, wo wir hingehören
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- Teamgeist braucht Teamkleidung - man könnte es auch Uniform nennen. (dpa | picture alliance | Marius Becker)
Kurzer schwarzer Rock, weißes Trikot und schwarze Kniestrümpfe - das ist die Uniform der deutschen Hockey-Damen bei den Olympischen Spielen in London. Die Kleidung der Sportler dort unterliegt strengen Vorschriften und ordnet sie ihrer jeweiligen Sportart und Nationalität zu.
Auch in anderen Bereichen drücken bestimmte Kleiderordnungen eine Gruppenzugehörigkeit aus: Punks kleiden sich anders als Hipster, Feuerwehrmänner haben eine andere Dienstuniform als Briefträger. Dem Polizisten verleiht seine Uniform zusätzlich Autorität und Macht - und zwar schon auf den ersten Blick.
Manche Menschen fühlen sich von dieser zur Schau getragenen Autorität provoziert - andere angezogen. Die Uniform als sexueller Fetisch - auch damit beschäftigen wir uns im Tagesthema bei DRadio Wissen.
Sportler in Uniform
Martin Herzog über die Regeln olympischer Kleidung
Haltung ist die halbe Uniform: Dirk Schrade auf King Artus bei den Olympischen Spielen 2012. (dpa | picture alliance | Jochen Lübke)Die Sportart bestimmt die Uniform. Während die Reiter in weißer Hose, Jackett oder Frack und Zylinder antreten, kann die Kleidung beim Beachvolleyball nicht kurz genug sein. Der Weltverband gibt vor, was in den Wettkämpfen getragen wird. Die nationalen Komitees kümmern sich um ein einheitliches Trikotdesign. Martin Herzog hat in London einige der 70.000 einheitlich gekleideten Volunteers getroffen.
Sexy Krankenschwester
Schriftstellerin Kathrin Passig über den sexuellen Reiz von Uniformen
Uniformen können - je nach Kontext - Autorität verleihen. (dpa | picture alliance | BUSINESS_WIRE | whatsthatpicture | flickr | CC BY-NC 2.0)Sekretärin, Polizistin oder Naughty-Nurse-Dress: Nachgeschneiderte Uniformen für sexuelle Rollenspiele gibt es zu Hauf. Manche fühlen sich auch von ausrangierten NVA-Uniformen angeturnt, die auf Ebay angeboten werden. Die Uniform als Fetisch hat vor allem in der Sadomaso-Szene eine lange Tradition. Dabei geht es meist um Macht und Unterwerfung, sagt Kathrin Passig, Co-Autorin des Buches "Die Wahl der Qual".
Undercut und Jutebeutel
Kulturwissenschaftlerin Elke Gaugele über Szenezugehörigkeit und Kleiderordnungen
Die schönsten Uniformen sind die, die man sich selbst ausgewählt hat. (dpa | picture alliance | Kay Nietfeld)Verschiedene Szenen drücken ihre Gruppenzugehörigkeit durch uniforme Kleidung aus, sie bilden ihren eigenen Style. Aktuell zeichnen sich viele Styles dadurch aus, dass sie Mode aus anderen Jahrzehnten kombinieren, Grenzen verschleifen, was dann wiederum als Abgrenzung dient.
Von der Behörde zur Uniform
Volkskundler Jochen Ramming über die Entstehung ziviler Uniformen
Früher war alles besser - und der Briefträger noch eine Respektsperson. (dpa | picture alliance | Fritz Reiss)Ende des 18. Jahrhunderts hat sich das Bürgertum entwickelt - neue Ämter, neue Behörden sind entstanden. Damit kamen zivile Uniformen auf. Sie signalisierten: Wir sind eine Gruppe, gehören zusammen und verfolgen dieselben Ziele. Uniformen waren manchmal ein Disziplinierungsinstrument, manchmal dienten sie zur Motivation, sagt der Ethnologe Jochen Ramming.
Abschied im Talar
Vanessa Dähn über die Geschichte einer akademischen Uniform
Hunderte Absolventen feiern ihren Abschluss jedes Jahr im Talar. (AP)Nach 1968 waren Talare und Hüte verpönt, heute gehören sie an der Universität Bonn zum Abschluss. "Unter den Talaren - der Muff von 1000 Jahren": Mit diesem Plakat provozierten zwei Studenten 1967 an der Universität Hamburg, weil sie auf die Rolle der westdeutschen Hochschulen im "Dritten Reich" aufmerksam machen wollten. (Wiederholung vom 20.12.2011)