Unternehmen Amazon in der Kritik
Martina Schulte in der Webschau über Kritik an den Arbeitsbedingungen des Unternehmens
-
- Amazon soll mutmaßliche Rechtsradikale beschäftigt haben. (picture alliance | dpa | Jan-Philipp Strobel)
Amazon, der größte Online-Händler der Welt, steht in der Kritik. Die ARD-Doku "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" prangerte die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern im Amazon-Logistikzentrum Bad Hersfeld an.
Zu sehen war in dem Film unter anderem wie mutmaßliche Rechtsradikale, die von einer Sicherheitsfirma als externe Dienstleister beschäftigt werden, Arbeiter einschüchterten. Die Reaktionen der Öffentlichkeit auf den Film sind heftig: vor allem in den sozialen Netzwerken, bei Twitter, in den Blogs und bei Facebook. Dort haben die Facebook-Community-Manager von Amazon.de alle Hände voll zu tun.
Protest auf Facebook
Die Amazon Facebook-Seite wird zurzeit von kritischen und zum Teil wütenden Kundeneinträgen überflutet: Das reicht von nachdenklichen Beiträgen wie "Unsere Bequemlichkeit und Geiz ist Geil Mentalität haben sehr viel zu diesen Zuständen beigetragen“ bis zu "Ladet all eure Freunde ein und setzt ein Zeichen gegen diesen Ausbeuterbetrieb." Dazu gibt es Boykottaufrufe und Anleitungen, wie man sein Amazon.de-Konto löscht.
#amazon
Auch bei Twitter ist viel los. Der Hashtag #amazon war fast 2 Tage unter Top 10 der trending topics in Deutschland. Es meldeten sich Menschen zu Wort, die bei Amazon kaufen oder verkaufen und nun ein schlechtes Gewissen haben. @AliCologne fragt zum Beispiel: "Wo kann man im Netz einkaufen, ohne sklavengleiche Arbeitsmethoden zu unterstützen? Gibt es ein Siegel? #amazon #zalando #Redcoon & Co." @Janine_Wissler prangert dagegen in Bezug auf Amazon auch die "Mithilfe der Arbeitsagentur" und das "Wegschauen der Steuerbehörden" an. Auch auf der Facebook-Seite von Amazon verteidigt jemand das Unternehmen und schreibt: "Aus dieser kurzen Doku mag ich mir kein globales Bild drüber zu machen.“
Reaktion von Amazon
Gestern hat Amazon zumindest gegenüber den Medien Stellung genommen. Vor allem die offenkundig rechtsradikalen Sicherheitsleute scheinen dem Unternehmen nicht zu behagen. Man dulde keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung. In den SN versucht das Unternehmen den Shitstorm übrigens bis jetzt ohne Gegenreaktionen auszusitzen. Amazon hat durch die negative Berichterstattung auch Fans verloren - das analysiert der Social Media-Experte Thomas Hutter in seinem Blog.
Wohl keine nachhaltige Schädigung
Das Fakeblog bezweifelt, dass der Vorfall den Ruf von Amazon nachhaltig schädigen wird. Es schreibt: „Während im kleinen Deutschland gerade ein kleines Stürmchen der Wut ausbricht, geniesst Amazon in Amerika allerhöchstes Ansehen, noch vor Apple. Wo etwas billiger sei, geht die Ersparnis sehr oft auf Kosten Bezahlung der Arbeitnehmer/Leiharbeiter." Das Fakeblog will das nicht länger akzeptieren und hat Amazon Partnerlinks zu Büchern rausgenommen und sich aus dem Partnerprogramm abgemeldet. Das hat auch einer der einflussreichsten deutschen Blogger getan - Rene bei nerdcore will ab sofort auf Amazon-Links verzichten.