Urheberrecht Anonymous Vs. Urheber
Webschau mit Martina Schulte
Die Hackergruppe lädt persönliche Daten der Unterzeichner einer Urheberrechts-Kampagne hoch.
Anonymous hat wieder zugeschlagen. Ziel des neuesten Angriffs sind die Unterzeichner der Urheberrechts-Kampagne "Wir sind die Urheber!". Auf der Dokumentenplattform Pastebin ist eine Datei mit persönliche Daten prominenter Unterzeichner der Kampagne veröffentlicht worden. Ein Kommentar von Anonymous lag oben drauf: "Fuck your Copyright".
Es geht um Daten von Prominenten, die sich an der Aktion beteiligt haben. Unter anderem Telefonnummern und Adressen. Wirklich geheim sind viele dieser Daten allerdings nicht. Häufig stammen sie aus Telefonbüchern oder aus Impressumseinträgen auf Künstlerwebseiten.
"Eine neue Dimension"
Die Aktion ist wohl eher als Drohung zu verstehen: In der ersten - mittlerweile gelöschten - Veröffentlichung dieser Adress-Datei wird das auch deutlich gemacht. Dort heißt es: "Das hier ist Teil 1 - wenn Ihr mit diesem Scheiß nicht aufhört, werden wir doxen und doxen und doxen!" Doxen bedeutet, dass Anonymous Informationen über Personen oder Organisationen, die man als Gegner klassifiziert hat, sammeln und veröffentlichen will.
Wie haben die Angegriffenen reagiert? Der Literaturagent Matthias Landwehr, Initiator der Webseite wir-sind-die-urheber.de, sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, es gehe hier um Bloßstellung und Bedrohung, wie man sie aus totalitären Staaten kenne. Dass Künstler "von sogenannten Freiheitshelden bedroht werden, sei eine neue Dimension"
Nicht richtig zugehört
Klar ist: Hier stehen sich zwei Seiten sehr unversöhnlich gegenüber. Fast alle Netzstimmen finden die Haltung der Urheber problematisch. Aber vielen Kommentatoren geht die Aktion von Anonymous zu weit. Etwa Kotzendes Einhorn. Was aber nicht heißt, dass im Netz viel Verständnis für die armen Künstler geäußert würde, wie zum Beispiel ein Post von Vera Bunse im Blog Kaffee bei mir deutlich macht.
Einige Beobachter vertreten die Ansicht, die Kontrahenten hörten sich nicht wirklich zu. Die Urheberrechtsdebatte, die von den Künstlern bei wir-sind-die-urheber neu ins Leben gerufen wurde, sei von vielen Irrtümern geprägt, schreibt Spiegel-Online-Autor Christian Stöcker. Er listet die größten Missverständnisse auf. Unter anderem den Irrtum, dass die Abschaffung des Urheberrechts bevor stehe. Das, schreibt er, forderten nicht einmal die Piraten. Ähnlich sieht das Anne Schuessler in ihrem Blog. Sie hat das Parteiprogramm der Piraten gelesen und streicht heraus, von einer Abschaffung des Urheberrechts sei nicht die Rede.
Auffällig ist, dass offene Briefe zur Zeit en vogue zu sein scheinen. Da sind die Tatortautoren. Dann gab es die Handelsblatt-Kampagne "Mein-Kopf-gehört-mir". Vergangene Woche dann die "Wir-sind-Urheber-Kampagne in der Zeit. Thomas Stadler vom Blog Internet-Law vermutet, dass dahinter eine koordinierte Kampagne stehe, bei der sich nur noch die Frage stelle, wer im Hintergrund die Fäden ziehe.