Urheberrecht Käufliche Piratin?
Thomas Reintjes über den Shitstorm, der über die Piratenpolitikerin Julia Schramm hereingebrochen ist
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- Julia Schramm, Beisitzerin im Bundesvorstand der Piratenpartei. (picture alliance / dpa | Marcus Brandt)
Die Piratenpolitikerin Julia Schramm hat bei einem Verlag das Buch "Klick mich. Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin" veröffentlicht. Dieser hat eine Kopie des Buches, das frei im Internet zugänglich war, sperren lassen. Nun wird Schramm beschimpft: von Parteifreunden und -feinden, Rezensenten, anonymen Twitterern und E-Mail-Schreibern.
Die heftigen Reaktionen auf ihr Buch und auf das Sperren der Internetkopie hat Julia Schramm auf einem Blog gesammelt. Viele Beschimpfungen hängen sich an Schramms Aussage auf, geistiges Eigentum sei ekelhaft. Die Entfernung des herunterladbaren Exemplars ihres Buches widerspreche genau dieser Aussage.
Was ist ekelhaft?
Zitiert wird sie dabei aus einem dreistündigen Podcast "Wir müssen reden", Folge 39 vom 11. April. Darin sagt sie: "Das ist das Ekelhafte an dem Begriff [geistiges Eigentum]: Dieser Begriff wird genutzt, um Immaterialgüter auf Grundrechtsniveau zu heben. Und das ist ein Problem." Viele Medien allerdings verbreiten, dass sie das geistige Eigentum ekelhaft finde.
Verkaufte Überzeugungen
Neben wutentbrannten Mails gibt es auch sachliche Kritiker wie Christoph Giesa bei The European. Seiner Ansicht nach, habe Julia Schramm ihre Überzeugungen verkauft. Laut FAZ soll sie für das Buch mindestens 100.000 Euro als Vorschuss vom Knaus-Verlag bekommen haben. Blogger Don Alphonso auf faz.net sieht in dem Vorschuss des zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Verlags einen Coup, die Piratenpartei in die Selbstzerstörung und Unwählbarkeit zu treiben.
Unklare Position
Daran ist aber auch ihre Uneinigkeit und fehlende Eindeutigkeit in Bezug auf die Begriffe geistiges Eigentum und Urheberrecht schuld. Denn gegen das Urheberrecht sind die Piraten nicht. Der Journalist, Blogger und Medienkritiker Thomas Knüwer sagte in einem Interview auf W&V: "Dass dieser Unterschied nicht in die Köpfe der Journalisten und Politiker zu bekommen ist, zeugt nur davon, wie sehr in Deutschland gesellschaftliche Debatten ausschließlich auf Talkshow-Niveau geführt werden. "
Mehrere Autoren, unter anderen Fabian Reinbold bei Spiegel Online, schreiben, dass die Piraten und Julia Schramm in dem Shitstorm etwas überlegter hätten handeln können. Dann hätten sie die Aufmerksamkeit nutzen können, um ihre Position endlich klarer zu machen.