Vatikan Vatileaks und der Kammerdiener
Hartmut Kriege über aktuelle und vergangene Affären des Vatikans.
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- Karikatur von Laurent Salles über den Skandal mit geheimen Dokumenten und den Kammerdiener. (picture alliance / dpa | ©PHOTOPQR/L'ALSACE/Laurent Salles)
"Vatileaks" erschüttert derzeit den Vatikan - nicht der erste Skandal in dem Kirchenstaat. Die Skandale geben Aufschluss über die Intrigen und Machtkämpfe, die sich hinter den Mauern des Vatikan abspielen.
Der Vatikan ist der kleinste Staat der Welt und einer der skandalträchtigsten dazu. In den vergangenen 35 Jahren gab es ein Attentat auf einen Papst, einen unter mysteriösen Umständen nach nur 33 Tagen im Amt verstorbenen Papst, einen toten Chef der Vatikanbank, dessen Leichnam unter einer Themsebrücke in der britischen Hauptstadt gefunden wurde, offene Zusammenarbeit eines Papstes mit dem US-amerikanischen Geheimdienst beim Sturz der kommunistischen Regierung in Polen - und nun Vatileaks.
Der Papst und die Außenwelt
Die geheimen Papiere, die in die Öffentlichkeit geraten sind, stammen aus der unmittelbaren Umgebung des Papstes. Ein Kammerdiener des Papstes soll die Dokumente in die Öffentlichkeit gebracht haben. Sie belegen, dass in der unmittelbaren Umgebung des Papstes an ihm vorbei Politik gemacht wird. "Ins Schussfeuer geraten ist auch Georg Gänswein, ein Kardinal aus dem Schwarzwald, der seit 1996 in der Nähe des jetzigen Papstes ist", sagt Hartmut Kriege ehemaliger Leiter der Deutschlandradio-Kirchenredaktion. Gänswein wird vorgeworfen, dass er den Papst gegenüber der Außenwelt abschotte und eigenmächtig entscheide, wer beim Papst vorgelassen werde und wer nicht. Gänswein sei kein einfacher Sekretär, sondern ein enger Vertrauter des Papstes und habe großen Einfluss auf Papst Benedikt XVI.
Papst steht über dem eigenen Gesetz
"Der Vatikan ist anfällig für Skandale wie jede Institution, die sich abschließt", sagt Hartmut Kriege. Die Skandale seien aber nicht so groß wie häufig vermutet. Im Vatikan gebe es genau wie in einem hierarchisierten Unternehmen Rivalitäten - obwohl der Papst ein absoluter Herrscher ist. Der Vatikan sei eine Wahlmonarchie, in der die Kardinäle den Papst aus den eigenen Reihen bestimmen. Der Papst stehe sogar über dem eigenen Gesetz, dem Codex Iuris Canonici. "Der Papst hat dieses Kirchengesetz geschaffen, er muss sich aber nicht daran halten", erklärt Hartmut Kriege.