Verkehr Gut getunnelt ist halb gewonnen
Wie intelligente Tunnelbauten Verkehrsprobleme lösen.
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- Tunnel können so manch oberirdisches Problem lösen. (Martin Abegglen | Flickr | cc-by-sa-2.0)
Die Städte weltweit ersticken im Verkehr. Ihn unter die Erde zu verlegen, ist eine Lösung.
Städte wachsen - und damit steigt auch der Verkehr. Die Folge: Staus, stark befahrene Straßen mit all ihren Gefahren und eine erhöhte Umweltbelastung. Weltweit bauen Städte darum ihr Untergrundnetz aus. Manche stehen ganz am Anfang des Tunnelbaus, der unterirdische Netze mit Straßen und Bahnstrecken ermöglicht oder bisher voneinander getrennte Orte unterirdisch miteinander verbindet.
Vom Seikantunnel zum Gotthardtunnel
Der Gotthardtunnel ist derzeit eins der größten Tunnelprojekte weltweit. Wenn er voraussichtlich im Jahr 2016/2017 in Betrieb genommen wird, dann wird er mit 57 Kilometern der längste Tunnel der Welt sein. Er löst dann den derzeit längsten und tiefsten Tunnel ab, den Seikantunnel in Japan.
Unter den Straßen von Paris
Tobias Goltz hat sich Paris von unten angeschaut.
Die Métro in Paris ist nur eines der Netzwerke unter der Stadt. (Éole | flickr | CC BY-NC-SA 2.0)Ein riesiges Netz aus Metrotunneln, Kanalisationen und den Katakomben untertunnelt Paris. Das Gestein dort eignet sich besonders gut als Baumaterial, über viele hundert Jahre wurde die Stadt daher massiv unterhöhlt. Als nach Seuchen und Hungersnöten der Platz auf den Friedhöfen knapp wurde, nutzten die Pariser den Untergrund zur Bestattung. Noch heute findet man in den Katakomben die Gebeine von Menschen. Auch das Pariser U-Bahn Netz der Métro ist beeindruckend. Mit einer Gesamtlänge von mehr als 200 Kilometern ist es eines der größten der Welt.
Heute treiben sich nicht nur U-Bahn-Gäste, Kanalarbeiter und Archäologen unter den Straßen von Paris herum, sondern auch sogenannte "urban explorer", Menschen, die - häufig illegal - den abgesperrten Untergrund auf eigene Faust erkunden. Eine besondere Spezies sind auch die "cataphiles", die sich besonders für die Katakomben interessieren.
Mein schlimmstes Tunnelerlebnis
Thilo Jahn mit klaustrophobischen Erlebnissen.
Tunnel können Ängste und Klaustrophobie hervorrufen. (Ricardo Motti | Flickr | cc-by-nc-sa-2.0)"Mir bleibt die Luft weg", "es ist schön, wieder heraus zu kommen", "italienische Tunnel machen mir Angst" - so oder so ähnlich empfinden es einige Menschen, wenn sie durch einen Tunnel fahren. Ob Gotthardtunnel, Elbtunnel oder Londoner Tube - das Durchfahren einer Röhre ist für viele Menschen mit klaustrophobischen Ängsten verbunden. Ganz natürlich, sagt der Psychologe und Therapeut Peter Groß: "Die Angst, in den Tunnel zu fahren, hängt mit dem Gefühl des Ausgeliefertseins zusammen." Man fühlt sich als Gefangener. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, im Tunnel zu verunglücken, ungefähr halb so groß wie auf freier Strecke, sagen Verkehrspsychologen. Wir haben in der DRadio-Wissen-Redaktion nach Tunnelgeschichten gesucht und sie mit Peter Groß zu erklären versucht.
Geschichte des Tunnelbaus
Helene Pawlitzki weiß, warum die Menschen seit 3000 Jahren unter der Erde buddeln.
Der Ausbau des Gotthardtunnels. (Hochtief)Tunnel - damit verbindet man dunkle Orte, an denen das Wasser von der Decke tropft, wo es kalt, feucht und unheimlich ist. Aber Tunnel haben einen entscheidenden Vorteil: Sie bringen uns unterirdisch schneller ans Ziel als oberirdisch - indem wir Berge durchbohren oder unter dem Meer entlang fahren. Wir bauen Tunnel, um dem Verkehrsaufkommen zu entrinnen. Gleichzeitig ist der Tunnelbau eine besondere Ingenieurleistung. Helene Pawlitzki erzählt, warum Menschen diese Buddelei seit 3000 Jahren auf sich nehmen und wie sie die Zivilisation nach vorne gebracht hat.
Tunnelbau ist ein globales Geschäft
Thomas Gruber ist Produktmanager Tunneling bei der Schweizer Firma Dätwyler und reist für Tunnelprojekte um die Welt.
Der Gotthard-Tunnel ist mit seinen 57 Kilometern der längste Tunnel der Welt. (AP/ Martin Ruetschi)Vor allem in den Städten gewinnen Tunnel immer mehr an Bedeutung. Dichter Verkehr, wachsende Stadtbevölkerung, Umweltprobleme - all diese Faktoren tragen dazu bei, dass für viele Städte U-Bahnen oder unterirdische Straßen die einzige Lösung sind.
Der Markt für Unternehmen, die im Tunnelgeschäft tätig sind, ist klein - räumlich, nicht finanziell gesehen. Denn Tunnelprojekte sind oft Megaprojekte, so dass nur große, global handelnde Firmen infrage kommen. Thomas Gruber ist Produktmanager für eine solche Firma und reist zu Tunnelprojekten, -konferenzen und -messen rund um die Welt. São Paulo, Bangkok und Doha standen in den vergangenen Wochen auf dem Terminplan.
Er ist vor allem mit städtischen Tunnelbauprojekten beschäftigt und weiß, dass in Seattle derzeit der größte maschinell hergestellte Tunnel gebaut wird. Ein Highway trennt bisher die Stadt vom Meer, jetzt soll die Straße unter die Erde verlegt werden, damit die Stadt endlich wieder mit dem Pazifik verbunden ist.