Verrücktes Experiment Erregend, nicht eklig
Anna Kohn berichtet über ein ausgefallenes psychologisches Experiment
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- Benutzte Kondome, Getränk mit totem Insekt, das T-Shirt eines Pädophilen - Charmaine Borg hat ihren Probandinnen einiges zugemutet. (Darwin Bell | Flickr | CC BY-NC 2.0)
Eine Art Dschungelcamp für die Wissenschaft: Charmaine Borg bat ihre Probandinnen benutzte Tampons, blutige Pflaster und schmutzige Kondome zu berühren. Vorher zeigte sie ihnen einen Porno. Ihre These: Sexuell erregte Frauen empfinden weniger Ekel.
Es kommt immer auf den Kontext an: Wenn uns ein Fremder anspuckt, dann finden wir das wahrscheinlich eklig. Beim Sex stört uns fremde Spucke aber meistens wenig. Ganz zu schweigen von dem Schweiß und den eiweißhaltigen Körperflüssigkeiten, die dabei noch zum Einsatz kommen. Eigentlich müsste Sex eine ganz schön eklige Angelegenheit sein, dachte sich die niederländische Forscherin Charmaine Borg.
Erregung dämpft Ekel
Wie kommt es also, dass Frauen überhaupt Spaß am Sex haben, wenn die einzelnen Komponenten davon so abstoßend sind, fragte sich die Wissenschaftlerin weiter. Ihre These: Sexuelle Erregung muss den Ekel dämpfen. Wenn eine Frau normalerweise vor einer fremden Zahnbürste die Nase rümpft, dann kümmert sie der Speichel ihres Sexualpartners im erregten Zustand kaum noch.
Porno oder Zugfilm
Um das zu beweisen, führte Borg Probandinnen einen Porno vor, dann stellte sie ihnen eine Reihe von Aufgaben, die Ekel erwecken sollten. Darunter waren etwa: benutztes Toilettenpapier anfassen, einen Keks essen, der neben einem Wurm liegt, oder auch das T-Shirt eines Pädophilen umarmen. Was die Frauen nicht wussten: Außer dem Wurm war keine der Utensilien echt. Zwei Testgruppen sollten die gleichen Aufgaben erfüllen. Allerdings sahen sie vorher keinen Porno, sondern einen Sportfilm - oder einen Film über Züge.
Die Originalstudie von Charmaine Borg finden Sie auf plosone.org.