Dienstag, 21. Mai 2013

Spielraum /

Verrücktes Experiment Sadismus kann jeder  

Tamara Hölscher hat sich das Stanford-Prison-Experiment genau angesehen

Die Hände eines Gefangenen ragen in der Jugendstrafanstalt Berlin aus dem Zellenfenster.
Philip Zimbardo wollte es wissen: Was passiert, wenn man gewöhnliche Menschen zu allmächtigen Gefängniswärtern macht? (AP)

Ein Münzwurf entscheidet darüber, wer angepasstes Opfer und wer sadistischer Täter wird. Die Probanden, das verwundert daran, fügen sich überraschend leicht in ihre extremen Rollen. Was verrät das Stanford-Prison-Experiment über die menschliche Natur?

Drei kleine Zellen, ein enger Kasten als Isolationszelle und ein neun Meter langer Korridor. Im Jahr 1971 sollte das einigen Studenten als Gefängnis in einem Experiment dienen. Die eine Gruppe schlüpfte in die Rolle der Wärter, die andere wurden Gefangene, Metallketten und Sträflingsuniform inklusive.

Moral auf der Kippe

Die Frage des Stanford-Prison-Experimentes des Psychologen Philip Zimbardo: Was passiert wenn man gute Menschen an einen schlimmen Ort bringt? Verändern die eigene Moral und die inneren Werte die äußeren Umstände oder greifen die äußeren Umstände auf die Menschen über?

Schnelle Eskalation

Je länger das Experiment lief, desto häufiger mussten die Gefängniswärter daran erinnert werden, dass keine körperliche Gewalt erlaubt war. Aus pazifistisch eingestellten Studenten wurden sadistische Bewacher. Nach fünf Tagen musste Philip Zimbardo das Experiment frühzeitig abbrechen.

 

Ein verrücktes Experiment aus dem Buch von Reto U. Schneider.



Mehr bei DRadio Wissen:

Parallelgesellschaft hinter Gittern
Statt Reue und Resozialisierung erleben Gefängnisinsassen in Deutschland Gewalt.
(Tagesthema vom 04.09.2012)

Strafe muss sein
Der Mensch ist ein strafendes Wesen - und das ist auch gut so.
(Agenda vom 24.08.2012)

Hier finden Sie weitere "Verrückte Experimente"

 

Weitere Informationen:

prisonexp.org ist die Seite zum Experiment mit Bildern und Videos

In jedem steckt ein Folterknecht
Philip Zimbardo stellt ein Zehn-Punkte-Rezept auf, wie man brave Bürger dazu bringt, andere Menschen zu foltern..
(sciencegarden.de vom 01.04.2005)

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