Sonntag, 19. Mai 2013

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Vexillologie Flaggen zeigen  

Zur Symbolik, Bedeutung und Geschichte von Flaggen

Zwei Mädchen, eines mit der deutschen Flagge eines mit der spanischen, sitzen in einem Fußballstadion und schauen sich an.
Wenn die Fußball-Europameisterschaft beginnt, werden wieder Flaggen gezeigt. (picture alliance | dpa | Daniel Dal Zennaro)

Trikoloren, Flaggen mit Kreuzen und Himmelskörpern: zur Fußball-EM rücken sie wieder ins Blickfeld. Nationalflaggen sind Symbol für ein Land. Im Stadion, am Autofenster oder auf dem Balkon zeigen Menschen darum Flagge. DRadio Wissen macht mit - die Geschichte der Flaggen, ihre Bedeutung und wer damit Geld verdient.

Flagge ist nicht gleich Fahne. Ursprünglich dienten Flaggen als Unterscheidungsmerkmal in der Schifffahrt. Daraus entwickelten sich mit dem aufkeimenden Nationalismus Ende des 18. Jahrhundert die Nationalflaggen. In Europa war die Symbolik der Flaggen häufig vom Kreuz, dem Symbol des Christentums, geprägt.

Kreuz, Farbe und Mondsichel

Andere Flaggen, etwa die deutsche, französische oder italienische, bestehen aus drei verschiedenen Farben, die die bürgerlichen Werte in Abgrenzung zur Monarchie symbolisieren sollen. Die Mondsichel ist Symbol des Islam und findet sich in den Flaggen vieler muslimischer Länder wieder. Im Gegensatz zum Massenprodukt Flagge ist eine Fahne ein Einzelstück. Fahnen sind häufig aufwendig gearbeitet und bestickt. Sie werden nur zu bestimmten Anlässen gezeigt.

Auch DRadio Wissen hisst die Flaggen. Das Tagesthema zur Vexillologie - der Flaggen- und Fahnenkunde.

 

Mehr als eine Fahne im Wind: Die Geschichte der Flagge
Jörg Majewski, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Flaggenkunde, weiß, seit wann Menschen Flagge zeigen

Goldene Statue von Jeanne d'Arc, die eine Flagge hält.Jeanne d'Arc mit Flagge: Im Mittelalter diente die Flagge in Kriegen zur Unterscheidung der Heere. (Kim'n'Cris Knight | Flickr | cc-yb-nc-sa-2.0)Vor mehr als 5000 Jahren fertigten Menschen im alten Ägypten erste Flaggen an. Die Vexilloide waren ein Zeichen für die Anwesenheit bestimmter Personen oder Götter. Später dienten Flaggen als Erkennungszeichen für Truppenteile. Damals waren die Flaggen meist aus Holz, Metall oder Leder. Zu wehen begannen die Flaggen in China - dem Land, aus dem die Seide stammt.  

Im Mittelalter kamen die Flaggen nach Europa. Sie kennzeichneten Ritter, die sich in ihren Rüstungen sehr ähnlich sahen. Die Kreuzzüge im 11. Jahrhundert förderten die nationale Bedeutung von Flaggen - darauf abgebildet waren Wappen und Symbole der Fürsten und Landesherren. Die Seefahrt nahm dann entscheidenden Einfluss auf die Flaggen: Flaggen galten als wichtiges Erkennungsmerkmal der jeweiligen Flotte. Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhundert wurde das Mitführen einer Flagge auf See zur Pflicht. Erst im 18. Jahrhundert mit der Unabhängigkeitserklärung der USA und später der Französischen Revolution entstanden die ersten Nationalflaggen, die bis heute eine ganze Nation repräsentieren sollen.

 

Farben und Symbole auf Flaggen
Flaggen- und Wappenkundler Ralf Stelter erklärt, warum grün eine beliebte Flaggenfarbe ist

Verschiedene Flaggen unterschiedlicher Nationen wehen vor blauem Himmel im Wind.Flaggen unterscheiden sich in Farbe, Form und Symbolik. (Ian Cuthbertson | Flickr | cc-by-sa-2.0)Flaggen wehen vor Regierungsgebäuden, Botschaften, an Staatskarossen oder in Sportstadien - als Zeichen eines Nationalstaates. Fast alle Staaten haben eine Flagge. Sie unterscheiden sich in Farbe, Aussehen und Symbolik. Die Farbgebung kann auf die Vegetation eines Landes verweisen, auf den Himmel, das Meer oder auf abstrakte Dinge wie den Glauben, den Frieden oder die Einigkeit des betreffenden Volkes.

Rot, gelb, blau, grün, weiß und schwarz sind die Farben, die am häufigsten auf Flaggen vorkommen. Doch haben sie keine einheitliche Bedeutung. Viele islamische Staaten verwenden die Farbe Grün - die Farbe des Propheten Mohammed - in ihren Flaggen. Es gibt aber auch rote islamische Fahnen. Die Mondsichel ist ein Symbol des Islams und findet sich auf der türkischen Flagge. Aber nicht jede Mondsichel deutet auf ein islamisches Land. Der Halbmond in der Flagge Singapurs symbolisiert etwa eine junge, aufstrebende Nation. Indien und Irland verwenden die gleichen Farben: grün, weiß, orange - einmal senkrecht, einmal waagerecht. Der weiße Streifen in der Mitte symbolisiert in Irland einen Friedenspakt zwischen Katholiken und Protestanten, in Indien zwischen Islam und Hinduismus.



Von der Blutflagge zur Serviceflagge
Max Johns vom Verband Deutscher Reeder erklärt, wie Liberia mit seiner Flagge Geld verdient.

Eine Flagge an einem Segelmast.Jedes Schiff fährt unter einer bestimmten Flagge. (big-ashb | Flickr | cc-by-2.0)In der internationalen Seefahrt fahren alle Schiffe unter der Flagge eines bestimmten Landes. Das muss nicht unbedingt die Flagge des Landes sein, in dem das Schiff registriert ist. Von etwa 4000 deutschen Schiffen fahren nur rund 500 Schiffe unter deutscher Flagge. Während die Registrierung die Eigentümerfrage eines Schiffes klärt, legt die Flagge das Recht und die Besatzung an Bord fest. Bei deutschen Reedern erfreuten sich die Flaggen von Liberia und die der Marshall Islands besonderer Beliebtheit, sagt Max Johns vom Verband Deutscher Reeder.

Die Flagge Liberias sei eine kommerzielle Flagge und keine hoheitliche Aufgabe des Landes. Eine Rechtsanwaltskanzlei in den USA hat die Konzession für die liberianische Flagge erworben, um daraus ein Geschäft zu machen. Anders als zu Zeiten des Diktators Charles Taylor gilt die liberianische Flagge heute als weiße, also sichere Flagge. "Jedes Papier, jeder Stempel kostet relativ viel Geld - dafür hat man ihn schnell." Anders sei das in Deutschland: "Da reitet der deutsche Amtsschimmel, alles dauert länger." Dafür müssten nur die Verwaltungskosten bezahlt werden.

 

Mit Flaggen Geld verdienen
Sylvia Dommer-Kroneberg von der Stuttgarter Fahnenfabrik über Fußball, Flagge und Geld

Ein Auto während der Fahrt, zwei Frauen stehen auf der Ladefläche und halten die deutsche Flagge.Beim Fußball zeigen die Deutschen gerne wieder Flagge. (Travel Aficionado | Flickr | cc-by-nc-sa-2.0)Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, die in Deutschland stattfand, änderte das Verhältnis der Deutschen zu ihrer Flagge: Plötzlich konnte man wieder Flagge zeigen - eingeklemmt an der Autoscheibe, auf dem Balkon oder einfach nur aufgemalt auf die Wangen. Das hat den Flaggenherstellern einen riesigen Umsatz beschert. Die WM 2006 schenkte dem Flaggenhersteller Dommer aus Stuttgart sein Erfolgsjahr: Das Unternehmen verzeichnete einen  Umsatzzuwachs von 25 Prozent.

Die Europameisterschaft findet in diesem Jahr in Polen und der Ukraine statt - weiter weg. Aus diesem Grund ist der Flaggenabsatz der Firma Dommer bislang noch nicht gestiegen. Der Spielverlauf während der EM könnte das ändern, sagt Geschäftsführerin Sylvia Dommer-Kroneberg. Dann kommt es auch darauf an, welche Nationalteams weiterkommen.



Mehr bei DRadio Wissen:

Heraldik - Die Wahl der Wappen
Wir führen Gutes im Schilde! Oder eben nicht. Denn die wechselvolle Geschichte der Wappen beginnt im Krieg: Mittelalterliche Soldaten tragen Schilde mit verschiedenen Farben und Symbolen, um Freund und Feind nicht zu verwechseln.
(Agenda vom 17.02.2012)

Mehr zum Thema:

Das Flag Research Center

Deutsche Gesellschaft für Flaggenkunde

Verband Deutscher Reeder

Eintrag: Flagge bei Wikipedia

Blutflagge
Reportage über Liberia
(Mare Online vom August 2002)

Die Farbe des Islam
(Cicero Online vom 19.08.2008)

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