Dienstag, 18. Juni 2013

Agenda /

Webschau Bushido hat geklaut  

Der Rapper Bushido.
Bushido muss für Plagiate eine empfindliche Geldstrafe zahlen.

Die Webschau kümmert sich heute intensiv um Bushido: Der Rapper hat sich bei der Musik einer französischen Band bedient. Michael Gessat hat sich dazu um Netz umgesehen.

Abkupfern tut man überall: in der Uni, in der Industrie, zuweilen auch in den Medien. Leider fällt das heute in den Zeiten von Google & Co ziemlich schnell auf. Sich inspirieren lassen ist ok, mehr oder weniger ausführlich variieren ist auch ok. Aber fremde Federn eins zu eins übernehmen, ohne das anzugeben, das kann ins Auge gehen. Das hat kürzlich erst der Fall um Helene Hegemann und ihr Buch "Axolotl Roadkill“ gezeigt. Der zweite klassische Bereich der schönen Künste, wo traditionell gern mal geklaut wird, das ist natürlich die Musik.

Der Plagiatsfall Bushido

Beim Vergleich zwischen diesem Song der französischen Gothic-Band "Dark Sanctuary" und dem Titel "Janine" vom deutschen Gangster-Rapper Bushido fallen gewisse Ähnlichkeiten auf.

Den Mitglieder der weitgehend unbekannten französischen Gruppe ist das auch aufgefallen und sie haben Bushido verklagt. Vor dem Hamburger Landgericht gab es gestern das Urteil: Bushido soll in 13 Stücken Song-Fragmente von "Dark Sanctuary" übernommen haben, ohne zu fragen und ohne zu zahlen. Jetzt dürfen nach dem Willen des Landgerichts elf Alben, Singles und Sampler, auf denen die Songs mit den fremden Schnipseln veröffentlicht worden waren nicht mehr verkauft werden, die bereits ausgelieferten Tonträger muss die Plattenfirma zurückrufen und vernichten.

Natürlich hat die Sache auch finanzielle Folgen: Erstens sind 63.000 Euro sogenannte "Billigkeitsentschädigung" für immaterielle Schäden fällig, eine Art Schmerzensgeld also. Und dann muss Bushido die Gruppe "Dark Sanctuary" an den Gewinnen beteiligen, die er mit dem Verkauf der inkriminierten Stücke verdient hat.

Die Reaktionen im Netz

Im Netz ist die Häme groß. Zwar wird von vielen Usern darauf hingewiesen, dass das Verwenden und Weiterverarbeiten von Schnipseln, von Samples für viele Musikrichtungen etwas völlig normales ist, etwa im Forum von Spiegel online, aber hier liegt der Fall dann doch zu eindeutig. Ein Twitterer spottet über den musikalischen Stilbruch: "Vom Gangster Rapper zur Lachnummer der Nation, auch noch von Grufties, schämen soll er sich…" Ein anderer merkt an: "Die Geschichte wäre nur halb so lustig ohne das hier:" Bushido selbst mahnt auch ab, berichtet das Blog Internet-Law.

Auf das etwas widersprüchliche Verhalten Bushidos zielt auch der Blogeintrag bei nerdcore.de ab. Achtung, bei Abneigung gegen derbe Gossensprache bitte nicht auf diesen Link klicken.

 

Daimler-Korruptionsverfahren

Dem Automobilhersteller Daimler droht eine drastische Millionenstrafe in den Vereinigten Staaten, das US-Justizministerium hat nach jahrelangen Ermittlungen Anklage wegen Korruptionsverdacht erhoben. Über zehn Jahre hinweg soll Daimler in mindestens 22 Ländern Regierungsvertreter bestochen haben, um sich lukrative Aufträge zu sichern. Daimler lehnte heute jeden Kommentar ab; anscheinend gibt es aber wohl schon einen Vergleich, hier muss man wohl sagen, einen „Deal“ mit den US-Behörden, um das Verfahren schnell ad acta legen zu können. Der Autobauer würde demnach um die 185 Millionen Dollar (rund 134 Mio Euro) zahlen - eine Hälfte des Geldes soll dabei an das Justizministerium fließen, die andere an die US-Börsenaufsicht. Der zuständige Richter muss dem Vergleich aber noch zustimmen.

Bei den Reaktionen im Netz kommt sehr häufig ein Einwand, etwa bei Spiegel Online:  „...durch das Zahlen von Geld kann ich meine Schuld, weil ich Geld gezahlt habe, begleichen??“ ; ein anderer formuliert:  „Was für eine Logik! Erst schmieren, dann freikaufen?“

Was viele Kommentatoren wundert, ist, dass die US-Justizbehörden sich Daimler vorknöpfen, obwohl hier wohl Regierungsvertreter in 22 verschiedenen Ländern bestochen wurden, aber eben keine US-amerikanischen. Im Forum der schweizerischen „Neuen Zürcher Zeitung“ findet sich aber zu einem entsprechenden User-Beitrag auch direkt eine kompetente User-Antwort:

„Allen die jetzt über eine extraterritoriale Einmischung der USA jammern, empfehle ich, sich zuerst zu infomieren. Die Bestechung ausländischer Amtsträger ist auch in der Schweiz verboten. Aufgrund internationaler OECD-Abkommen machen das die meisten Industriestaaten so. Die USA hat dann Zuständigkeit, wenn ein ausländisches Unternehmen an einer Börse in den USA notiert ist, oder die Tat selbst im weitesten Sinne in den USA bzw. von den USA aus statt fand.“

Ein weiterer vielleicht nicht ganz unberechtigter Einwand klingt in vielen anderen Forenbeiträgen an; ein Beispiel:

„Siemens und Daimler sind sicherlich keine Ausnahmen, sondern die Regel. Die Welt ist nunmal korrupt, wer z.B. auf dem chinesischen Markt mitmischen will, der wird genauso Schmiergelder zahlen und im Empfang nehmen wie alle anderen. Eine Anklage zeigt nur die Verlogenheit dieses Systems. Jeder macht es, jeder weiss davon, und ab und an wird ein Exempel statuiert, um der Oeffentlichkeit das Gegenteil zu suggerieren.“

Mathematik-Preise

Preisträger zu sein, ist ehrenvoll. Bei vielen Auszeichnungen gibt es auch noch einen Geldbetrag dazu, mal mehr, mal weniger.

Politiker oder Personen des öffentlichen Lebens werden oft für politisches oder soziales Engagement gekürt und spenden dann das Preisgeld für einen guten Zweck. Bei hochdotierten Preisen für Wissenschaftler ist es auch vielfach üblich, dass die Summe für die Forschung verwendet wird – für Laborkosten oder um zusätzliche Mitarbeiter beschäftigen zu können. Aber viele Preise werden ohne jede Bedingung vergeben, und da kann man das Geld auch einfach privat ausgeben - vorausgesetzt, es liegt einem überhaupt etwas an den materiellen Dingen dieser Welt.

Und da scheinen nicht nur Mönche, sondern zuweilen auch Mathematiker etwas andere Prioritäten zu haben.

Heute wurde in Oslo der Abel-Preis 2010 für Mathematik verliehen. Er ist mit etwa 750.000 Euro dotiert und gilt neben der Fields-Medaille als weltweit wichtigste Auszeichnung für Mathematik. Die Fields-Medaille, bei der das Preisgeld übrigens "nur" 15.000 Kanadische Dollar beträgt, ging 2006 an den russischen Mathematiker Grigory Perelman – der sie schlichtweg nicht annahm. Letzte Woche bekam Perelman den nächsten bedeutenden Preis, den vom Clay Mathematics Institute, berichtet scienceblogs.de. Der Preis ist mit einer Million Dollar dotiert. Die Reaktion von Perelman: kein Interesse. Im Netz wurde darüber spekuliert, ob Perelman also auch den Abel-Preis bekommt. Das ist aber dann doch nicht passiert, ausgezeichnet wurde dieses Mal der amerikanische Mathematiker John Torrence Tate für seine Arbeiten in der Zahlentheorie.

Mathe-Blogs gibt es in allen Schwierigkeitsstufen; über das Medium Internet gibt es also auch einen Gedankenaustausch auf allerhöchstem Niveau, wie etwa im Blog von Terence Tao, ein weiterer Fields-Medaillen-Preisträger von 2006.

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Kommentare 1 - 1 von 1

  • 1. Plagiat?

    Das war doch bestimmt nur ein Sample.

    ewieemil 24.03.2010 11:24 Uhr

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