Weltfrauentag Matriarchat in der Tierwelt
Es lebe das Matriarchat - wo Frauen im Tierreich der Boss sind.
Am Weltfrauentag spricht Dradio Wissen mit dem Biologen Mario Ludwig über das Matriarchat in der Tierwelt. Hier einige Beispiele dafür, dass unter Tieren auch Frauen manchmal das Sagen haben.
Auch Nemo lebt im Matriarchat
Die durch den Disney-Kassenknüller „Findet Nemo“ so populär gewordenen Clownfische schließen sich oft zu kleinen Gemeinschaften zusammen, in denen eine strenges Matriarchat herrscht. In den Gruppen, die gemeinsam eine Seeanemone bewohnen, findet man nämlich stets eine größere Anzahl von Männchen, jedoch immer nur ein Weibchen, das die Gruppe eindeutig dominiert. Unter den Männchen besteht eine nach ihrer Größe gestaffelte Rangordnung. So darf z. B. nur das größte Männchen mit dem Weibchen Sex haben und für die Fortpflanzung sorgen. Stirbt das dominante Weibchen kommt es zu einem interessanten Phänomen: Das ranghöchste Männchen verwandelt sich in ein Weibchen und übernimmt die „Chefrolle“ und das Männchen, das in der Hierarchie an zweiter Stelle steht, darf zum Liebhaber aufsteigen. Diese clevere Strategie dient der Arterhaltung. So muss die Clownsfischgruppe nämlich nicht ihre schützende Anemone verlassen, um ein neues Weibchen zu suchen.
Tüpfelhyänen
Eigentlich ist es eher ein lautes Kichern, als ein Lachen, das der Tüpfelhyäne den volkstümlichen Beinamen „Lachende Hyäne“ eingebracht hat. Das Hyänengekicher ist jedoch nicht etwa auf einen ausgeprägten Humor der massigen Tiere mit dem gewaltigen Kiefer zurückzuführen. Nein im Gegenteil, Hyänen kichern, wenn sie sich fürchten und sich zum Beispiel von einem stärkeren Artgenossen bedrängt fühlen. Frei übersetzt bedeutet das Kichern nichts anderes, als ein bittend vorgetragenes „Lass mich gefälligst alleine“. In den bis zu 70 Individuen starken Hyänenfamilien haben Männer übrigens aber auch gar nichts zu melden – hier herrscht das Matriarchat. Besonders beim Fressen müssen die Herren stets den Damen den Vortritt lassen, da in der strengen Hyänenhierarchie selbst das ranghöchste Männchen noch unter dem rangniedrigsten Weibchen steht.
Der Männerharem- oder das Supermatriarchat
Der Nacktmull, das ist ein etwa 10 cm großes Nagetier, dass in den Halbwüsten Ostafrikas in unteririschen Höhlen lebt. Nacktmulle sind extrem hässliche Tiere. Sie sehen so ein bisschen aus wie ein Wiener Würstchen mit großen Zähnen, deshalb werden sie manchmal scherzhaft auch als „Säbelzahnwürstchen“ bezeichnet. Die Haut ist haarlos, schrumplig und recht fahl. Aber bei den Nacktmullen gibt es etwas, das einzigartig bei den Säugetieren ist. Nacktmulle sind nämlich staatenbildende Säugetiere. Und diese Staaten, die bis zu 300 Tiere umfassen, werden von einer Königin regiert. Die Königin hält sich einen Harem aus 2 - 4 Lovern, die ihr sozusagen auf Abruf zur Verfügung stehen müssen. Die anderen Koloniemitglieder dagegen, sind bessere Sklaven, die müssen für die Königin und ihre Haremsherren als Babysitter, Soldaten oder Bauarbeiter schuften. Nur die Königin darf Kinder in die Welt setzen Die Liebhaber müssen für ihr schönes Leben einen hohen Preis bezahlen – die Haremsherren altern nämlich überdurchschnittlich schnell und sterben früher.
Die Verwandtschaft
(Leben im Matriarchat: Bonobo-Mutter mit Kind. Quelle: Stock.XCHNG / Rodolfo Clix)
Auch bei den Tieren, die am engsten mit uns Menschen verwandt sind, herrscht das Matriarchat, nämlich den Bonobos, den sogenannten Zwergschimpansen aus Zentralafrika. Bonobos stimmen, rein genetisch gesehen, zu fast 99 % mit uns überein. Die Bonobos leben im Matriarchat, das heißt bei ihnen haben die Weibchen das Sagen. Bei den ganz nahe verwandten „richtigen“ Schimpansen dagegen herrschen klare Hierarchien, wobei da die Weibchen ganz unten in der Hackordnung stehen. „Schimpansenmänner verprügeln zum Beispiel ihre Frauen häufig“. Das wäre bei Bonobos unmöglich. Da helfen die Weibchen einander, bilden Koalitionen und schaffen es so, die Männchen zu beherrschen, obwohl die größer und kräftiger sind.“ Im Matriarchat geht es sehr friedlich zu. Streitigkeiten und Aggressionen in der Gruppe löst man dadurch, dass man Sex miteinander hat.. Da folgen die Bonobos dem alten Hippiemotto „Make Love not war“ – also man schläft lieber miteinander, als dass man sich prügelt. Und deshalb werden die Bonobos bei Wissenschaftlern gerne auch mal als die Hippieschimpansen bezeichnet.
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Der Biologe Mario Ludwig