Sonntag, 19. Mai 2013

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Wikipedia Blackout im Netz  

Webschau mit Thomas Reintjes

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Im Netz wird es heute teilweise dunkel: Wikipedia und andere Seiten schalten sich selbst ab. (Wikimedia Foundation, Inc.)

Ein schneller Klick auf die amerikanische Wikipedia? Das können Sie am Mittwoch (18.01.2011) vergessen.

"Stellen Sie sich eine Welt ohne frei verfügbares Wissen vor." Dieses Experiment probiert am Mittwoch (18.01.2012) die amerikanische Wikipedia: Wer sie ansurft, bekommt keinen Zugriff auf die Enzyklopädie. Die Autoren protestieren damit gegen zwei Gesetzesentwürfe zur Bekämpfung von Internetpiraterie. Nur die Seiten zu Sopa und Pipa - eben die beiden Entwürfe - sind aufrufbar.

Gesetz für Netzsperren

Sopa steht für "Stop Online Privacy Acht", Pipa für "Protect IP Act". Sie haben das Ziel, Urheberrechtsverletzungen massiv zu bekämpfen. Besonders umstritten ist hierbei das Stilllegen von Internetseiten durch einen Eingriff in das Domain Name System, DNS. dradiowissen.de würde in diesem Fall zum Beispiel nicht mehr an die IP-Adresse weitergeleitet, Surfer müssten die IP direkt im Browser eingeben, um auf die Seite zu gelangen.

Die Hürde für diesen drastischen Schritt wäre niedrig: Ein Link zu einer urheberrechtsverletzenden Seite oder einem Inhalt genügt. Damit wären auch alle legalen Inhalte unerreichbar.

Kritik aus dem Weißen Haus

Ende dieser Woche soll über die zwei Gesetze beraten werden, und Obamas Berater haben bereits über das Gesetzesvorhaben gebloggt: "Gesetzentwürfe dürfen nicht an der technischen Architektur des Internets herumpfuschen, indem sie Manipulationen am Domain Name System vorsehen."

Zeit Online fasst die Entwicklung zusammen, denn nach dem Statement aus dem Weißen Haus ist noch einiges passiert: Die Republikaner spielen mit dem Gedanken, die DNS-Sperren aus dem Gesetzesentwurf zu tilgen, auch scharfen Kritiker der Petition soll entgegen gekommen werden.

1300 Stunden Protestanrufe

Im Netz toben die Proteste: 6000 Internetseite unterstützen die Kampagne gegen das Gesetz, mehr als 3000 Briefe und eine Million E-Mails sollen an Kongress-Abgeordnete geschickt worden sein. Hinzu kommen 90.000 Anrufe bei Abgeordneten. Amnesty International, Human Rights Watch, Foebud und aus Deutschland die Digitale Gesellschaft haben einen gemeinsamen Protestbrief formuliert. americancensorship.org fasst die Proteste zusammen.

Neben Wikipedia beteiligen sich weitere Seiten am Blackout: Mozilla.org hat sich abgeschaltet, reddit.com zeigt ein Männchen, das mit amerikanischer Flagge geknebelt ist, rivva.de ist geschlossen, Spreeblick bleibt von 8 bis 20 Uhr schwarz. Google protestiert: "Beendet Piraterie, nicht Freiheit". Die deutschen Proteste listet okfnpad.org auf.

Deutsche Proteste und ACTA

In Deutschland richtet sich der Protest auch gegen Gesetze wie Acta, das Anti-Counterfeiting Trade Agreement. Der Verein Digitale Gesellschaft schreibt, Acta werde Grundrechte einschränken und zu einer privatisierten Zensur im Internet führen. Daher machen viele nicht-amerikanische Seiten bei den aktuellen Protesten mit, die internationalen Proteste von Schweiz bis Argentinien und Venezuela und Taiwan fasst Global Voices Online zusammen.

Viele kleinere Blogs haben sich abgeschaltet und auch die Blog-Plattform Wordpress hat sich heute selbst vom Netz genommen.

 

The Day The LOLcats Died (LaughPong | Youtube)

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