Wirtschaftsauskunfteien Status: kreditwürdig
Über Kreditwürdigkeit, Scoringverfahren und die Bedeutung von Wirtschaftsauskunfteien
Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Schufa angeblich Daten aus Sozialen Netzwerken nutzen wollte, um die Bonität von Privatpersonen zu beurteilen. Die Empörung war groß. Das Projekt liegt inzwischen auf Eis. Die Frage aber bleibt: Welche validen Informationen stecken in Online-Profilen? Und wie arbeiten Schufa und Co.? Woher Wirtschaftsauskunfteien ihre Daten bekommen und wie sie diese auswerten - unser Tagesthema.
Haben Facebook-User, die viele Urlaubsfotos posten, viel Geld? Sind sie also kreditwürdiger als andere? Quatsch, sagen Schufa und das Hasso-Plattner-Institut (HPI) - aus Facebookdaten könne man nicht auf die Bonität schließen. Genau dieser Eindruck war aber entstanden, als die Auskunftei und die Informatik-Hochschule vergangene Woche ein gemeinsames Forschungsprojekt angekündigt hatten: Das Potsdamer Institut sollte erforschen, ob und wie die Schufa Internetdaten, auch aus Sozialen Netzwerken, für ihre Zwecke nutzen könnte.
Datenschützer in Sorge
Datenschützer und Politiker wie Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger kritisierten das Vorhaben, woraufhin das Hasso-Plattner-Institut die Zusammenarbeit mit der Schufa absagte.
Bonität und Soziale Netzwerke
Im Tagesthema klären wir, nach welchen Kriterien die Schufa und andere Wirtschaftsauskunfteien die Bonität von Geschäftspartnern beurteilen. Außerdem haben wir einen Reporter auf Schufa und Co. losgelassen: Um herauszufinden, wie seine ganz persönliche Kreditwürdigkeit eingeschätzt wird.
Wie Schufa und Co. zu ihren Daten kommen
Dieter Korczak hat Scoringverfahren untersucht.
Damit das Traumhaus Realität wird brauchen viele einen Kredit. (picture alliance / dpa)Ein Kreditscore ist ein Zahlenwert, der die Kreditwürdigkeit einer Person beschreiben soll. Kreditnehmer werden dabei anhand von Merkmalen wie "Wohnort", "Beruf" oder "Sicherheiten" analysiert. Die einzelnen Punkte werden zu einer Bonitäts-Note zusammengefasst, die die Bewertung einer Kreditvergabe erleichtern soll. Auch die Schufa arbeitet mit Scoring-Werten.
Wichtig für ein Scoring ist, dass die gesammelten Daten richtig sind. Fehlerhafte Einschätzungen können für Verbraucher gravierend sein, sie können beispielsweise zu Kreditverweigerungen oder Kontokündigungen führen.
Dieter Korczak und Michael Wilken von der GP-Forschungsgruppe, einem Institut für Grundlagen- und Programmforschung, haben das Scoring untersucht und herausgefunden, dass Zusammenhänge zwischen Alter, Geschlecht, Familienstand, Einkommenssituation oder Beruf und angebotenen Zins- und Laufzeitkonditionen nicht zu erkennen sind.
Sinn und Zweck von Schufa & Co.
Die Wirtschaftsjournalistin Sandra Pfister über Funktion und Bedeutung von Wirtschaftsauskunfteien.
Shopping macht glücklich, sofern man eine Kreditkarte besitzt. (picture alliance / dpa)Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung - kurz Schufa - ist nur eine von vielen sogenannten Wirtschaftsauskunfteien. Solche privatwirtschaftlichen Unternehmen geben Auskunft über die Kreditwürdigkeit von Privatpersonen oder anderen Unternehmen. Wenn zum Beispiel ein Vermieter wissen will, ob sein zukünftiger Mieter flüssig ist, kann er eine Schufa-Auskunft anfordern. Dafür muss er lediglich ein berechtigtes Interesse gemäß Bundesdatenschutzgesetz erklären.
Schufa & Co arbeiten mit Inkassobüros, greifen auf Telefon-, Adressbücher und Handelsregister zu oder befragen Nachbarn sowie Geschäftspartner zur Zahlungsmoral des Betroffenen. Dabei werden sie von Datenschutzbeauftragten kontrolliert. Unternehmer oder andere Wirtschaftsakteure versichern sich bei Wirtschaftsauskunfteien, ob ihre Geschäftspartner zahlungsfähig sind.
Daten-Schnüffelei oder erlaubte Forschung?
Philip Banse fasst die Debatte um Schufa und Internetdaten zusammen.
Wissenschaftler sollen Persönlichkeitsmerkmale und Kreditwürdigkeit verknüpfen. (dpa / Simon Chavez)Dass die Schufa Verbraucherdaten sammelt, um die Kreditwürdigkeit zu bewerten, ist nichts Neues. Dass sie Wissenschaftler beauftragt, dafür gezielt das Internet zu durchforsten schon. Die Zusammenarbeit der Schufa mit dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) ist allerdings geplatzt, weil das Institut nach der öffentlichen Empörung abgesprungen ist.
Aber was hätte das HPI eigentlich alles bei dem auf drei Jahre angelegten Projekt herausfinden und zusammentragen können? Und warum hat sich das Institut von dem Vorhaben zurückgezogen, obwohl es sich doch nach eigenen Angaben nur um "Grundlagenforschung rund um die technische Verbreitung öffentlicher Web-Daten" handelte? Welche rechtliche Grundlage hätte das Projekt gehabt? Diesen Fragen ist Philip Banse nachgegangen.
Wie kreditwürdig bin ich? Ein Selbsttest
Stefan Römermann hat bei Auskunfteien nachgefragt, wie sie seine Bonität bewerten.
Formular für eine Schufa-Bonitätsauskunft (picture alliance / dpa)Seit 2010 können Verbraucher von der Schufa und anderen Auskunfteien eine Selbstauskunft einholen. Darin stehen die Daten, aus denen die Unternehmen ermitteln, wie wahrscheinlich man einen Kredit zurückzahlen kann - ausgedrückt durch den Scorewert oder Kreditscore. Stefan Römermann hat sich von den größten Auskunfteien eine Selbstauskunft geben lassen und dabei festgestellt, dass sie seine Kreditwürdigkeit nicht immer positiv bewerten.
Die Gründe dafür sind nicht nachvollziehbar, berichtet Stefan Römermann in seinem Selbstversuch: Bei mehreren Anfragen stellte sich heraus, dass die Unternehmen nur Namen und Anschrift, manchmal auch das Geburtsdatum gespeichert hatten. Wenn kein Geburtsdatum vorliegt, wird das Alter einfach anhand des Vornamens geschätzt.
Kein Schufa-Lab am HPI
Felix Naumann vom Hasso Plattner Institut Potsdam über das abgesagte Schufa-Lab
Das geplante Projekt wurde gecancelt. (picture alliance / dpa)Schufalab at HPI - darin wollten das Potsdamer Hasso-Plattner Institut für Informatik (HPI) und die Schufa Potenziale und Risiken des sogenannten "Web of Data" erforschen. Projektleiter wäre Felix Naumann, Professor für Informatik am HPI, gewesen. Er arbeitet schon seit längerem mit der Schufa zusammen, wenn es um das Erforschen von Datenbanksystemen geht.
Bei diesem neuen Projekt wollte Naumann erforschen, welche Daten sich aus dem Web, aus frei zugänglichen Informationen und aus Sozialen Netzwerken, herausfinden lassen könnten. Dabei sei es nicht um personenbezogene Daten gegangen, sondern um Techniken, Daten aus dem Internet zu gewinnen, sagt er. Im Übrigen, sagt Naumann, sei die Vorstellung, man könne aus Facebook-Daten auf die Bonität einer Person schließen, geradezu lächerlich.