Wirtschaftswachstum Der Kollaps kann warten
Über Prognosen, die Berrechenbarkeit zukünftiger Entwicklungen und ihre Wahrscheinlichkeit.
Vor 40 Jahren veröffentlichte der Club of Rome den Bericht "Die Grenzen des Wachstums". Die These darin: Überbevölkerung, Umweltverschmutzung und Ausbeutung natürlicher Ressourcen würden im 21. Jahrhundert zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft führen.
Bislang blieb der globale Kollaps aus. Wir klären, warum der Zusammenbruch nicht eintrat, welche Prognosen Wissenschaftler heute aufstellen und welchen Einfluss der Bericht auf die gängigen Wirtschaftstheorien hatte.
Der Bestseller des Club of Rome
Gespräch mit Georg Ehring aus der Deutschlandfunk-Umweltredaktion
1972 erschien "Die Grenzen des Wachstums". (DRadio Wissen / Sitzler)Der Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit fiel düster aus: In "Die Grenzen des Wachstums" aus dem Jahr 1972 prognostizierte eine Autorengruppe um den Systemforscher Dennis Meadows den Kollaps unserer Gesellschaft. Die Forscher fütterten einen Computer mit Entwicklungszahlen zu Bevölkerung, Rohstoffverbrauch, Umweltverschmutzung und mehr.
Dann ließen sie verschiedene Szenarien errechnen, alle mit ähnlichen Ergebnissen: Das Streben nach Wachstum werde sich bis weit ins 21. Jahrhundert fortführen lassen. Dann aber sei Schluss, und die Weltwirtschaft werde zusammenbrechen, die Umwelt verseucht sein, die Rohstoffe werden verbraucht und die Böden unfruchtbar sein. In der fortschrittsgläubigen Zeit der 70er-Jahre haben viele diese Veröffentlichung als Provokation empfunden.
"Der Zeitraum ist für die Prognose viel zu lang"
Ein Gespräch mit DRadio-Wissen-Statistikerin Katharina Schüller
Der Friedenspreises des Deutschen Buchhandels ging 1973 an den "Club of Rome". (Deutsches Bundesarchiv / Engelbert Reineke)
Die Ergebnisse der Studie zur Weltwirtschaft, die der Club of Rome 1972 veröffentlichte, waren kein Grund zum Jubeln: Überbevölkerung, erschöpfte Ressourcen und eine vergiftete Natur würden weltweit zum Zusammenbruch der Wirtschaft führen, so lautete die Prognose - und zwar in einem Zeitraum von 100 Jahren.
"Dieser Zeitraum ist für eine Prognose aber viel zu lang", sagt DRadio-Wissen-Statistikerin Katharina Schüller. Normalerweise würden Zukunftsszenarien für die kommenden 15 Jahre errechnet. Außerdem sei die Entwicklung von Technik und Industrie nicht bedacht worden. Dennoch bilde eines der Szenarien von damals die Situation von heute ziemlich gut ab.
Wachstumsdebatten in Zeiten der Krise
Ein Gespräch mit dem Wirtschaftsjournalisten Philipp Krohn
Weltweit wird gegen die Folgen der Finanzmarktkrise demonstriert. (AP)Bislang hat die Wirtschaft nicht aufgehört, zu wachsen. Auch wenn es in den vergangenen Jahren viele Wirtschaftskrisen gab. "Versöhnung von Ökonomie und Ökologie" heißt der derzeitige Schlachtruf.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erkannte diesen Trend früh und bestellte vor einigen Jahren einen viel beachteten Bericht. Wunschgemäßer Tenor: Das Bruttoinlandsprodukt ist nicht alles, die Menschen müssen ihren Wohlstand in Zukunft anders definieren. Auch Deutschland zog bald nach. Abgeordnete und Forscher treffen sich regelmäßig, um in einer Enquetekommission über "Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität" zu beraten. Über aktuelle Wachstumsdebatten sprechen wir mit dem FAZ-Journalisten Philipp Krohn.
Ein Unternehmer will nicht wachsen
Gespräch mit dem Unternehmer Harald Rossol
Wirtschaft wird auch aus ethischer Sicht betrachtet. (AP)Finanzkrise, Klimawandel, Überbevölkerung - Themen, die dazu geführt haben, dass der Begriff Wachstum präsenter ist denn je. Noch bis vor wenigen Jahren galt Wachstum als selbstverständlicher Weg zu einer moderneren, reicheren und besseren Welt. Das hat sich gewandelt. Der Unternehmer Harald Rossol etwa verweigert sich dem Wachstum.
Rossol leitet ein IT-Beratungsunternehmen in Bremen. Sein Ziel: Wachstum der Qualität, nicht der Quantität. Besser werden, statt größer werden. Energieeffizienter arbeiten, statt mehr zu produzieren.
Rossol hat fünf Mitarbeiter und eine konstante Anzahl von Kunden. Er hat schon mit dem Gedanken gespielt, mehr Leute zu beschäftigen - am Ende sei er aber immer zu dem Schluss gekommen, dass das jetzige Modell das beste sei.
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