Wissenschaft Hot shit aus dem Labor
Wer den Nobelpreis eigentlich verdient hätte
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- Aktuelle Forschungsergebnisse im Blick. (NASA/GSFC/Chris Gunn | flickr | cc by 2.0)
Als Alfred Nobel 1895 in seinem Testament den Nobelpreis stiftete, verfügte er, dass damit die bedeutendsten wissenschaftlichen Forschungen des vergangenen Jahres geehrt werden sollten. Heute wird der Preis aber meist für bereits Jahre zurückliegende Forschungen verliehen. Wir verhelfen dem Preis wieder zu seiner ursprünglichen Bedeutung: In unserem Tagesthema stellen wir spektakuläre Ergebnisse in Medizin, Physik und Chemie des vergangenen Jahres vor.
Einmal im Jahr blickt die Welt gespannt nach Stockholm. Dort werden Anfang Oktober die Nobelpreisträger verkündet - unter anderem am 8. Oktober der Nobelpreis in Medizin, am 9. Oktober in Physik und am 10. Oktober in Chemie.
Die Preisträger sind nicht selten würdige Herren, die vor 20, 30 oder mehr Jahren Großes geleistet haben. Der Stifter des Preises, Alfred Nobel, hatte aber ursprünglich etwas ganz anderes im Sinn.
Nobel wollte mit dem Preis den wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres würdigen. Der Preis sollte an diejenigen ausgeteilt werden, "die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben". Wir nehmen Nobel beim Wort und stellen die jüngsten Forschungsarbeiten mit dem größten Nobelpreispotential der vergangenen Monate vor.
Optogenetik: Wütend auf Knopfdruck
Wissenschaftsjournalist Michael Lange erklärt, warum diese Methodik boomt
Optogenetik im Einsatz bei einer Labormaus. (Stanford University)Wenn Biologen wissen wollen, was ein bestimmtes Gen im Körper macht, dann gehen sie meist so vor: Sie schalten das Gen bei einer Taufliege oder Maus aus und analysieren, was passiert. Das funktioniert zwar, lässt aber die Frage offen, was passiert, wenn ein Gen nur für kurze Zeit außer Kraft gestellt wird. Die Optogenetik liefert dafür den passenden Schalter: Licht an, Gen an. Licht aus, Gen aus.
Quantensimulation: Eiskalte Atome
Ralf Krauter hat ein Harvard-Labor für Physik besucht
Mit der Quantensimulation sind Vorhersagen über Materialien möglich. (flickr.com | Engineering at Cambridge CC BY-NC-ND 2.0)Die Entdeckung des Higgs-Teilchens war sicherlich die Physik-Schlagzeile des Jahres 2012. Überraschend kam sie aber nicht. Überraschend und heiß ist dagegen, was deutschen Physikern in Harvard seit rund zweieinhalb Jahren gelingt. Sie sperren ultratiefgekühlte Atome in Gitter aus Laserlicht. Dort agieren diese nach den Gesetzen der Quantenmechanik und erlauben Vorhersagen über Materialien, die es noch gar nicht gibt.
Zuckerlego: Moleküle zum Selberbasteln
Wissenschaftsjournalist Arndt Reuning ist den Reizen der Zuckerchemie erlegen
Zucker mit 150-facher Auflösung durch ein Polarisationsmikroskop. (wikipedia.org | Jan Homann gemeinfrei)Einfache Zuckerketten wie der Milchzucker Laktose, der Rohrzucker Saccharose oder ganz lange Ketten wie die Stärke Amylose oder auch der Holzbestandteil Zellulose sind nachbaubar. Zuckermoleküle können aber auch wie Legobausteine zu abertausenden, vielfach verzweigten Bäumchen verbaut werden - und dienen dann als Signale auf Zelloberflächen. Dieses Zuckerlego war lange der Natur vorbehalten. Jetzt mischen Chemiker im Labor mit.
Entwicklung ist keine Einbahnstraße
Wissenschaftsjournalistin Verena von Keitz über den Medizinnobelpreis 2012
John Gurdon und Shinya Yamanaka teilen sich den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung der Umprogrammierung reifer Zellen in Pluripotenz. (picture alliance / dpa / John Overton)Erwachsene Körperzellen sind in der Lage, die Zeit zurückzudrehen und neu anzufangen. Für diese Erkenntnis sind John B. Gurdon und Shinya Yamanaka mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet worden. Gurdon stellte 1962 fest: Aus der Darmzelle einer Kaulquappe kann wieder eine neue Kaulquappe heranwachsen. Yamanaka schaffte es 2006, die Hautzellen von Mäusen und Menschen in Zellen zu verwandeln, denen das ganze Leben offen steht.