Wissenschaftsgeschichte Die kritische Masse
Vor 70 Jahren startete das Manhattan-Projekt der USA
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- Eine "kritische Masse" muss entstehen, damit eine Atombombe eine solche Gewalt entwickelt. (picture-alliance | dpa)
1942 startete das Manhattan-Projekt der USA: Die US-Regierung brachte die damals führenden Wissenschaftler in einer abgeschiedenen Siedlung in der Wüste zusammen. Das Ziel: die erste Atombombe entwickeln - möglichst vor Nazideutschland. Der Physiker J. Robert Oppenheimer leitete das Projekt wissenschaftlich, General Leslie R. Groves hatte die militärische Leitung. Das "Atomic Age" war angebrochen.
Damit eine Atomwaffe funktioniert, muss radioaktives Material in besonderer Weise behandelt werden. Eine kritische Masse muss entstehen, durch die eine Kettenreaktion in Gang kommt. Die US-Forscher hatten Erfolg - die erste Atombombe wurde dann aber doch nicht über Deutschland abgeworfen. Stattdessen starben bei den ersten Atombombenexplosionen in Hiroshima und Nagasaki im August 1945 circa 92.000 Menschen sofort, allein bis Ende 1945 starben weitere 130.000 Menschen, viele weitere an den Folgeschäden in den Jahren danach.
Unkritisch gegenüber Atomwaffen
Die Atomtests der 1950er-Jahre bescherten den USA eine Atom-Euphorie: Das "Atomic Age" war angebrochen. In vielen Schlagern wurden Atomwaffen besungen - die Mehrzahl der Menschen bildete damals eine eher unkritische Masse. Heute ist das anders - trotzdem gibt es weltweit noch immer tausende Atomsprengköpfe und -waffen.
Das Manhattan-Projekt
Florian Hildebrand erklärt, wie es zur Entwicklung der Atombombe kam
J. Robert Oppenheimer, wissenschaftlicher Leiter des Manhattan-Projekts war an der Entwicklung der 1. Atombombe beteiligt. (picture-alliance | dpa) Im Manhattan-Projekt entwickelten Forscher innerhalb kürzester Zeit für die USA die weltweit erste Massenvernichtungswaffe auf Basis der Kernenergie. Eher selten entsteht dank einer Erkenntnis aus der Physik so schnell eine anwendungsreife Technologie. Die USA wollten damit Nazideutschland zuvorkommen, wo ebenfalls Atomphysiker experimentierten. Abgeworfen wurden die ersten Atombomben über Japan: auf Hiroshima und Nagasaki.
Atomic Age
Matz Kastning über die Glorifizierung der Atombombe in den
50er-Jahren
Die gesellschaftsfähige Atombombe: in den 50er Jahren gab es Atombombenspielzeug für Kinder, auch in der Musik wurde sie glorifiziert. ( The Children's Museum of Indianapolis | Wikimedia Commons | cc-by-sa-3.0)In den 1940er- und 1950er-Jahren galt die Atombombe als Wunderwaffe. Die USA waren im Atomfieber, man ging sogar davon aus, in Zukunft würden sich atombetriebene Haushaltsgeräte durchsetzen. Diese Begeisterung spiegelte sich auch in der Musik: Die Buchanan Brothers besangen die "Atomic Power", das Slim Gaillard Quartette spielte den "Atomic Cocktail" und Lowell Blanchard and the Valley Trio sangen "Jesus Hits Like An Atom Bomb“.
Sag mir, wo die Atomwaffen sind
Otfried Nassauer erklärt, welche Staaten heute über Atomwaffen verfügen
Die russische Topol-M- Interkontinentalrakete verfügt über einen nuklearen Sprengkopf. (picture-alliance | dpa | Sergei Ilnitsky)Die USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich gelten als die "Big Five" der Atomwaffen. Auch Israel, Pakistan und Indien haben Atomwaffen. Iran und Nordkorea sollen daran arbeiten. Von den 20.000 Atomsprengköpfen, die es weltweit gibt, seien 90 Prozent im Besitz der USA und Russlands, sagt Otfried Nassauer, Leiter des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit.
Wie Atombomben funktionieren
Arndt Reuning über die Bomben mit den verheerenden Auswirkungen
Am 6. August 1945 morgens um 8:15 Uhr explodierte die Atombombe "Little Boy" in Hiroshima. (picture alliance / dpa / EPA)Atomwaffen funktionieren anders als normale Sprengkörper. Die gewaltige Menge an Energie kommt direkt aus dem Atomkern: Bei der Explosion wird ein Teil des spaltbaren Materials in Energie umgewandelt, gemäß Albert Einsteins berühmtester Gleichung E = mc². Damit die atomare Kettenreaktion in Gang kommt, muss eine "kritische Masse" entstehen; eine bestimmte Menge an radioaktivem Material auf einen kleinen Raum konzentriert werden.
Die Verantwortung der Wissenschaftler
Der Mathematiker Eugen Eichhorn über die Forscher und ihr Wissen über den Bombenabwurf
J. Robert Oppenheimer und Leslie Groves begutachten das Ergebnis des Trinity Tests im September 1945 (wikipedia.org | U.S. Army Corps of Engeneers public domain)Obwohl bereits 1942/43 den Wissenschaftlern des Manhattan-Projekt klar war, dass Deutschland keine Atomwaffe herstellen kann, hielten sie nicht nur an der Weiterentwicklung der Atombombe fest, sondern waren auch für deren Abwurf. J. Robert Oppenheimer selbst suchte mögliche Ziele mit aus, weil er die Auswirkungen der Bombe in bewohntem Gebiet erforschen wollte. Andere Wissenschaftler glaubten, die Waffe diene nur der Abschreckung und komme gar nicht zum Einsatz.