Wohngemeinschaft Zusammen ist man billiger allein
Die WG sei die Wohnform der Zukunft, sagen Wissenschaftler.
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- Eine WG bietet viele Vorteile: Man teilt sich die Miete, man ist nicht allein und im Idealfall hat man auch noch Spaß. (Kettukusu | Flickr | CC BY-NC 2.0)
Getrennt schlafen, aber gemeinsam wohnen, kochen, reden. Wohngemeinschaften haben sich längst vom studentischen Milieu emanzipiert, heute kann eine WG alles sein: von der kargen Studenten-Bude bis zur Luxus-Gemeinschaft.
Young Urban Professionals - also Managerinnen und Piloten, Therapeuten und Wissenschaftler - wohnen genauso in Wohngemeinschaften wie Senioren, die Patchwork-Familie oder ganze Großfamilien.
Zusammen wohnt man billiger
Die Gründe für das Zusammenziehen sind meist pragmatisch: Die Wohnkosten für den Einzelnen sind niedriger, bei Bedarf kann man sich gegenseitig helfen, Bewohner haben die Wahl zwischen Gemeinsamkeit und Rückzug.
Die Wohnform der Zukunft
Stadtplaner schreiben der WG eine wichtige Rolle für die Zukunft zu - schließlich gibt es immer weniger Platz in den Städten, knapper Wohnraum muss also anders aufgeteilt werden. Das Tagesthema bei DRadio Wissen zeigt eine der ältesten Formen des modernen Wohnens von innen.
Berufstätige 6er-WG im angesagten Viertel
Sina Fröhndrich hat herausgefunden, warum berufstätige junge Leute sich freiwillig einen Altbau teilen.
WGs können chaotisch sein, wenn keine Regeln aufgestellt werden. (animalvegetable | Flickr | CC BY-NC-SA 3.0)Fast alle in der Sechser-WG in einem Kölner Szeneviertel sind berufstätig. Allein wohnen, möchte keiner von ihnen. Für ein Zimmer in der knapp 200 Quadratmeter großen Altbauwohnung zahlen die sechs Mitbewohner zwischen 400 und 430 Euro. So viel Platz für so wenig Geld bekommt man in Köln alleine nicht, sagen sie. Und: Sie haben das WG-Leben gewissermaßen kultiviert. Einmal pro Woche macht eine Putzfrau sauber. Das entspannt und vermeidet Ärger.
Noch ein Vorteil: "Man wird nicht kauzig." Je älter man werde, desto mehr Macken bekomme man. Wer allein wohnt, kann diese Eigenheiten ausleben. In einer WG gelten jedoch Grenzen, Mitbewohner spiegeln das eigene Verhalten. Das WG-Leben ist damit auch eine Auseinandersetzung mit sich selbst.
"Die WG ist der Mikrokosmos unserer demokratischen Gesellschaft"
Markus Henrik über unser Verhalten beim ökonomisch günstigen Zusammenleben zwischen Keimen und Partys.
Ein Punk-WG. (picture-alliance/ dpa | Nikita Kolmikow)
Die Städte wachsen, der Wohnraum schwindet. Die Folge: Menschen organisieren sich in einer für sie günstigen Form des Zusammenlebens auf engem Raum: der WG. Sie hat über den ökonomischen Aspekt hinaus auch andere Vorteile. Spülen, einkaufen, Schimmelkulturen - in der WG lernt man fürs Leben. Dazu gehören auch die Begriffe wie Duschvorhang, Staubmäuse, freie Liebe, die der Autor in seinem Buch "Das WG-Lexikon" näher erläutert und Handlungsanweisungen liefert.
Diese Lebensform stellt auch die Sozialkompetenz eines jeden Bewohners auf die Probe. Ähnlich wie in einer funktionierenden Gesellschaft sind die Rollen in einer WG klar vergeben. Es gibt Wahlen und Regeln. "Wer einmal putzt, hat verloren", sagt Henrik.
Mietest du allein oder lebst du zusammen?
Die Mieten einer Single-Wohnung mit einem WG-Zimmer hat die Statistikerin Katharina Schüller verglichen.
Lieber zusammen mit viel Platz als alleine in der Enge. (malleabis | Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)Lieber eine kleine Wohnung mieten oder doch ein WG-Zimmer beziehen? Dies ist nicht nur eine Typfrage, sondern auch eine Frage des Geldes. Was lohnt sich eher? In ein paar Städten in Deutschland sind die Mieten für eine Single-Wohnung und ein WG-Zimmer annähernd gleich, sagt DRadio-Wissen-Statistikerin Katharina Schüller.
In den meisten Städten liege aber ein großer Preisunterschied zwischen kleinen Wohnungen und Wohnungen mit vier bis fünf Zimmern. Katharina Schüller rechnet die genauen Mietunterschiede aus und kennt die Anzahl von Wohngemeinschaften in Deutschland.
Wohnen der Zukunft: Winzige Fläche, ausgelagerte Küche, geteiltes Bad
Der Soziologe Walter Prigge sagt, warum wir uns in Zukunft auf winzige Wohnräume ohne Bad und Küche einstellen müssen.
In der Zukunft werden wir weniger Platz haben, sagt Walter Prigge. (sxld | Flickr | CC BY-NC 2.0)Schon heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Wohnraum ist in manchen Teilen der Welt, zum Beispiel in Megacitys wie Tokio oder Mexiko Stadt, ein knappes Gut. Klar ist, dass es in Zukunft in den Städten nicht mehr, sondern wesentlich weniger Platz geben wird. Dabei ist keineswegs abzusehen, dass die Urbanisierung abreißen wird.
Ein Grund mehr uns mit dem Gedanken anzufreunden, dass wir in Zukunft Teile unseres Zuhauses auslagern werden. Das sagt der Soziologe Walter Prigge von der Stiftung Bauhaus Dessau. Für ihn steht fest, dass wir uns an minimale Wohnflächen gewöhnen werden und die Stadt, also Restaurants, Parks und öffentliche Orte, als verlängerten Wohnraum nutzen werden.
Wohnen beim Magister - studentische Bursen des Mittelalters
Dieter Speck, Leiter des Universitätsarchivs Freiburg, über studentischen WGs im Mittelalter
Im Mittelalter lebte man nicht nur in Klöstern zusammen. (_tom_/ Flickr/ CC BY-NC-SA)Wohngemeinschaften hießen sie zwar noch nicht, doch die mittelalterlichen Bursen in den Universitätsstädten erfüllten damals einen ganz ähnlichen Zweck: Sie boten Studenten eine mehr oder weniger preiswerte Unterkunft für die Zeit ihrer Ausbildung. Häufig zogen die Studenten dafür ins Privathaus ihres Magisters, also ihres Hochschullehrers, ein.
Dabei unterschied sich die gemeinsame Wohnkultur von Universitätsstadt zu Universitätsstadt. Am Beispiel der 1457 gegründeten Universität Freiburg berichten wir über das WG-Leben des Mittelalters. Dieter Speck kennt sich mit den Bursen schon von Berufs wegen aus. Der Historiker ist Leiter des Universitätsarchivs und des Unimuseums in Freiburg.